Anleitung: Einen tropfenden Wasserhahn selbst austauschen.

Anleitung: Einen tropfenden Wasserhahn selbst austauschen.

Ein Hebel oder zwei Griffe: Der Unterschied entscheidet über den Reparaturweg

Ein Einhebelmischer regelt Wassermenge und Temperatur über einen einzigen Hebel, der sich hochklappen und seitlich drehen lässt. Im Inneren sitzt eine Kartusche mit zwei beweglichen Keramikscheiben, die beide Wasserwege gleichzeitig steuert. Bei Küchenarmaturen dominieren Einhebelmischer den Markt inzwischen klar, während die Zweigriffarmatur mit getrennten Warm- und Kaltwassergriffen als der klassischere Typ gilt.

Bei einer Zweigriffarmatur steckt hinter jedem Griff ein eigenes Ventiloberteil mit einer Gummidichtung, die beim Zudrehen auf einen Sitz gepresst wird. Zwei Griffe bedeuten auch: Man muss sich die Wunschtemperatur erst erarbeiten, statt sie mit einer Bewegung zu treffen. Genau dieses Herantasten an die richtige Mischung kostet spürbar mehr Wasser als der direkte Griff beim Einhebelmischer. Für die Reparatur zählt vor allem eines: Kartusche und Ventiloberteil-Dichtung sind zwei völlig verschiedene Bauteile, die sich nicht gegenseitig ersetzen lassen.

Die passende Kartusche finden, bevor Sie einkaufen

Kartuschen sind zwischen Herstellern nicht genormt. Es gibt etwa zehn verschiedene Kartuschentypen für Waschtischarmaturen, meist mit einem Durchmesser von 28, 35 oder 40 Millimetern, dazu unterschiedliche Anschlüsse und Positionen der Zu- und Abläufe. Die alte Kartusche nach dem Ausbau abzumessen und zusammen mit Hersteller- und Modellnamen zum Fachhandel mitzunehmen, ist deshalb der sicherste Weg zum passenden Ersatzteil – Rätselraten anhand von Fotos führt regelmäßig zur falschen Bestellung.

Wer eine ältere, aber bekannte Markenarmatur besitzt, hat gute Chancen auf Ersatz: Hersteller müssen nach EU-Recht Ersatzteile noch fünf Jahre nach Produktionsende der Armatur liefern. Bei Armaturen, die schon deutlich länger als zehn Jahre verbaut sind, lohnt sich vorab ein Blick, ob die passende Kartusche überhaupt noch im Programm ist, bevor man den Wasserhahn zerlegt.

Kartusche beim Einhebelmischer wechseln

Für den Wechsel reichen wenige Werkzeuge: ein Inbusschlüssel, meist in 2,5 Millimeter, eine Rohrzange oder Wasserpumpenzange, ein Schraubendreher und etwas Essigessenz für verkalkte Teile.

  1. Warm- und Kaltwasserzulauf an den Eckventilen unter dem Waschbecken schließen, den Hahn kurz öffnen, um Restdruck abzulassen.
  2. Die farbige rot-blaue Abdeckkappe unter dem Hebel abhebeln und die darunterliegende Schraube mit dem Inbusschlüssel lösen.
  3. Hebel abziehen, Dekorring oder Kartuschenabdeckung abschrauben.
  4. Sicherungsring der Kartusche lösen und die alte Kartusche gerade nach oben herausnehmen.
  5. Dichtsitz und Anschlüsse mit Essigessenz von Kalkresten befreien.
  6. Neue Kartusche mit den Führungsstiften passgenau einsetzen, Sicherungsring handfest plus eine Vierteldrehung anziehen – nicht überdrehen, sonst leidet die Kartusche selbst.
  7. Dekorring, Hebel und Abdeckkappe wieder montieren, Eckventile langsam öffnen und mehrfach warm und kalt testen.

Sitzt eine Schraube oder der Sicherungsring fest, hilft meist keine Kraft, sondern Geduld: Essigessenz zehn bis fünfzehn Minuten einwirken lassen oder die Stelle vorsichtig mit einem Föhn erwärmen löst die Verkalkung meist zuverlässiger als reine Muskelkraft.

Zweigriffarmatur: Die Dichtung sitzt im Ventiloberteil, nicht in einer Kartusche

Bei der klassischen Zweigriffarmatur gilt ein anderer Ablauf. Benötigt werden Kreuz- und Schlitzschraubendreher, eine Wasserpumpenzange oder ein Maulschlüssel sowie ein Inbusschlüssel, dazu ein spitzes Messer für die farbigen Abdeckkappen und säurefreies, trinkwassertaugliches Hahnfett für den Zusammenbau. Nach dem Schließen der Eckventile werden zunächst die Griffe unter ihren farbigen Kappen gelöst, danach das komplette Ventiloberteil mit Zange oder Schlüssel aus dem Armaturenkörper herausgedreht.

Am unteren Ende des Ventiloberteils sitzt die eigentliche Gummidichtung, meist von einer Hutmutter gehalten. Ist sie porös, rissig oder hart geworden, wird sie gegen eine neue ersetzt; ist sie noch elastisch, aber lediglich verkalkt, reicht oft eine gründliche Reinigung. Ein Bad in Zitronensäure und Wasser über etwa 30 Minuten löst Kalkablagerungen, bevor die Dichtung gründlich abgespült und das Ventiloberteil mit etwas Hahnfett am Gewinde wieder eingesetzt wird.

Kalk ist oft der eigentliche Gegner, nicht der Verschleiß

Eine noch relativ neue Kartusche oder Dichtung vorschnell als defekt abzuschreiben, ist ein häufiger Fehler. Kalkablagerungen auf dem Dichtsitz verhindern den dichten Schluss oft ebenso zuverlässig wie ein tatsächlich abgenutztes Bauteil – besonders in Regionen mit hartem Leitungswasser. Deshalb lohnt sich vor jedem Neukauf ein gründlicher Blick auf die Dichtflächen selbst: Bei intaktem Material reicht mitunter das Entkalken, um das Tropfen zu stoppen, ohne dass überhaupt ein Ersatzteil nötig wird.

Was Ersatzteile und Werkzeug tatsächlich kosten

Die Materialkosten für die Eigenreparatur bleiben überschaubar: Eine neue Kartusche kostet zwischen 15 und 40 Euro, eine einfache Dichtung meist unter 15 Euro, und selbst eine komplett neue Armatur liegt je nach Qualität zwischen 30 und 800 Euro. Rechnet man Werkzeug hinzu, das in den meisten Haushalten ohnehin schon vorhanden ist, bleibt der Kartuschenwechsel eine der günstigsten Reparaturen im Bad überhaupt. Bei normaler Nutzung hält eine Kartusche rund 25 Jahre, bevor sie überhaupt wieder zum Thema wird.

Wann sich der Anruf beim Fachbetrieb mehr lohnt als der Schraubenzieher

Wer sich nicht zutraut, festsitzende Schrauben zu lösen, oder wessen Armatur schon älter als zehn Jahre und stark verkalkt ist, sollte den kompletten Tausch statt der Reparatur erwägen. Die Faustregel lautet: Armaturen unter zehn Jahren reparieren, ältere Modelle eher austauschen, weil sich sonst Einzelreparaturen an einer ohnehin verschlissenen Armatur häufen. Für den kompletten Austausch beim Fachbetrieb stehen dann 100 bis 250 Euro im Raum, ein reiner Kartuschen- oder Dichtungswechsel schlägt mit 80 bis 150 Euro zu Buche.

Der Stundensatz schwankt je nach Betrieb und Region deutlich: Zur regulären Arbeitszeit berechnen Klempnerbetriebe zwischen 75 und 130 Euro netto pro Stunde, dazu kommt eine Anfahrtspauschale von 20 bis 60 Euro. Wer den Termin auf einen Wochentag außerhalb von Notdiensten legt, spart damit oft mehr als über den Vergleich einzelner Angebote.

Häufige Fragen

Wie erkenne ich ohne Demontage, welchen Armaturtyp ich habe?
Ein einzelner Hebel, der Menge und Temperatur zugleich regelt, deutet auf einen Einhebelmischer mit Kartusche hin. Zwei getrennte Griffe für Warm und Kalt gehören zu einer Zweigriffarmatur mit Ventiloberteil und Dichtung.

Kann ich beim Einhebelmischer die Dichtungen statt der ganzen Kartusche wechseln?
Manche Kartuschen haben zusätzliche O-Ringe an den Anschlüssen, die sich einzeln tauschen lassen. Das eigentliche Innenleben mit den Keramikscheiben lässt sich jedoch nicht öffnen – bei Verschleiß dort muss die komplette Kartusche raus.

Was, wenn nach dem Kartuschenwechsel immer noch Wasser tropft?
Dann liegt die Ursache oft nicht in der Kartusche, sondern in einem verkalkten oder beschädigten Dichtsitz im Armaturenkörper selbst, oder die Überwurfmutter wurde nicht fest genug angezogen. Beides lässt sich ohne neue Kartusche noch einmal prüfen.

Muss ich vor der Reparatur unbedingt die komplette Hauptwasserleitung abstellen?
Nein, die beiden Eckventile direkt unter dem Waschbecken für Warm- und Kaltwasser reichen aus. Sie sperren nur die Zuleitung zu diesem einen Wasserhahn.