Darf man bei Gewitter bügeln?

Darf man bei Gewitter bügeln?

Die kurze Antwort

Bügeln bei Gewitter ist kein eigenes Sicherheitsthema, sondern ein Fall der allgemeinen Regel für alle Geräte, die über ein Kabel am Stromnetz hängen. Schlägt ein Blitz in der Nähe des Hauses ein, kann die freigesetzte Spannung über die Leitungen ins Gebäude gelangen und angeschlossene Geräte beschädigen oder Kurzschlüsse auslösen, wie es der ZDF-Ratgeber zu Blitzeinschlag und Elektrogeräten beschreibt. Ein Bügeleisen ist davon grundsätzlich genauso betroffen wie ein Fernseher oder eine Kaffeemaschine. Wer auf Nummer sicher gehen will, zieht während eines Gewitters den Stecker, statt das Gerät nur auszuschalten.

Wie ein Blitz überhaupt bis zur Steckdose kommt

Ein Blitzeinschlag muss das Haus nicht direkt treffen, um dort Schaden anzurichten. Trifft er einen Strommasten, eine Freileitung oder ein benachbartes Gebäude, kann sich die Energie über das Leitungsnetz ausbreiten, wie der Verband Wohneigentum NRW in seinem Beitrag zum Stecker ziehen bei Gewitter erklärt. Die Spannung wandert dabei über alles, was leitet, also über Erdung, Leitungen und Kabel, bis sie an einem angeschlossenen Gerät ankommt. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) rät deshalb in seinen Verhaltensregeln bei Gewitter, empfindliche elektrische Geräte wie Computer oder Fernseher sicherheitshalber vom Netz zu nehmen.

Warum Ausschalten nicht reicht

Ein häufiger Irrtum ist, dass der Netzschalter am Gerät ausreichend Schutz bietet. Das stimmt nicht: Solange der Stecker in der Dose steckt, bleibt die Leitung zum Gerät elektrisch verbunden, und eine Überspannung kann trotzdem durchschlagen. Nur die physische Trennung schützt zu hundert Prozent, wie es beim Verband Wohneigentum NRW ausdrücklich heißt. Wer ein Bügeleisen also nur am Gerät ausschaltet, aber angesteckt lässt, hat im Ernstfall keinen zusätzlichen Schutz gewonnen.

Was am 15. Juli 2026 in Aitrach passiert ist

Dass so etwas keine theoretische Gefahr bleibt, zeigt ein Vorfall aus dem Landkreis Ravensburg. Eine 43 Jahre alte Frau hielt in ihrer Wohnung in Aitrach ihr Handy in der Hand, während es an der Steckdose lud, als ein Blitz in der Nähe einschlug. Sie erlitt einen Stromschlag und leichte Verletzungen und begab sich selbst ins Krankenhaus, wie t-online unter Berufung auf die Polizei berichtete. Im selben Unwetter verschmorten mehrere Stromkästen in der Region, und aus Steckdosen wurden Stichflammen gemeldet. Der Fall zeigt, dass die Gefahr nicht nur dem Gerät selbst gilt, sondern auch der Person, die es in dem Moment berührt.

Welche Geräte stärker gefährdet sind als andere

Nicht jedes Gerät trägt das gleiche Risiko. Thomas Raphael, Blitzschutzexperte beim VDE, erklärt gegenüber Gamestar: Je mehr Kabel zu einem Gerät führen, desto anfälliger ist es für Überspannungen, wie im Beitrag zu Blitzschutz für Elektronik nachzulesen ist. Ein Router, der gleichzeitig an Strom-, Telefon- und Netzwerkkabel hängt, bietet dem Blitz mehrere Eintrittswege gleichzeitig. Ein Bügeleisen dagegen hat nur ein einziges Stromkabel und keine zusätzliche Antennen- oder Datenleitung. Das senkt sein Risiko im Vergleich zu Smart-Home-Systemen oder Heizungssteuerungen, hebt es aber nicht auf null, denn auch über die reine Stromleitung kann genug Spannung ankommen, um ein Gerät zu zerstören.

Was ein Überspannungsschutz leisten kann und was nicht

Steckdosen und Steckerleisten mit eingebautem Überspannungsschutz fangen Spannungsspitzen ab, bevor sie das Gerät erreichen. Beim Kauf lohnt sich laut ZDF-Ratgeber ein Blick auf die Norm DIN EN 61643-11. Dabei unterscheiden Fachleute mehrere Schutzklassen: Typ-1-Ableiter leiten den groben Blitzstrom bei einem direkten oder sehr nahen Einschlag in den Erdboden ab, Typ-2-Ableiter im Etagenverteiler begrenzen die verbleibende Spannung auf einen sicheren Bereich, und Typ-3-Geräte in der Steckdose schützen einzelne empfindliche Endgeräte. In Neubauten schreiben die Normen DIN VDE 0100-443 und -534 einen Überspannungsschutz in der Elektroinstallation inzwischen vor, wie der Verband Wohneigentum NRW festhält. Bei einem direkten Blitzeinschlag ins Haus kann aber selbst die beste Schutzeinrichtung überlastet werden. Ein Überspannungsschutz senkt das Risiko also spürbar, ersetzt aber nicht die Trennung vom Netz bei einem direkt über dem Haus stehenden Gewitter.

Praktische Handlungsempfehlung fürs Bügeln bei Gewitter

Zieht ein Gewitter auf, gilt für das Bügeleisen dieselbe Reihenfolge wie für andere Geräte mit hoher Leistungsaufnahme: zuerst den laufenden Bügelvorgang beenden, dann den Stecker aus der Dose ziehen, statt nur den Ein-Aus-Schalter zu betätigen. In einem Haus mit Blitzschutzanlage und modernem Überspannungsschutz im Zählerschrank ist das Risiko deutlich geringer, wie der Verband Wohneigentum NRW bestätigt, dort können Steckdosen einigermaßen gefahrlos genutzt werden. In älteren Gebäuden ohne diese Schutzvorrichtungen ist es sicherer, während eines Gewitters direkt über dem Haus komplett auf ans Netz angeschlossene Geräte zu verzichten und die Wäsche später zu bügeln. Akkubetriebene Bügeleisen oder Dampfglätter ohne Netzkabel während des Ladevorgangs bergen kein zusätzliches Risiko, solange sie nicht gerade an der Steckdose hängen.

Häufige Fragen

Darf man während eines Gewitters grundsätzlich bügeln?
Es besteht kein gesetzliches Verbot, aber ein reales Risiko, wenn das Gewitter direkt über dem Haus steht und das Gebäude keinen Überspannungsschutz hat. In diesem Fall ist es sicherer, den Stecker zu ziehen und später weiterzubügeln.

Reicht es, das Bügeleisen nur auszuschalten?
Nein. Solange der Stecker in der Steckdose bleibt, kann eine Überspannung über die Leitung ins Gerät gelangen. Nur das Ziehen des Steckers trennt die Verbindung vollständig.

Ist ein Bügeleisen gefährdeter als ein Router oder ein Smart-Home-Gerät?
Tendenziell weniger, weil es nur über ein einziges Stromkabel angeschlossen ist. Geräte mit mehreren Kabeln, etwa für Telefon oder Netzwerk, bieten dem Blitz laut VDE mehr Eintrittswege für Überspannungen.

Schützt eine Steckdosenleiste mit Überspannungsschutz zuverlässig?
Sie senkt das Risiko bei indirekten Einschlägen in der Umgebung deutlich, kann aber bei einem direkten Blitzeinschlag ins Haus überlastet werden. Ein vollständiger Schutz besteht nur bei zusätzlicher physischer Trennung vom Netz.

Was, wenn das Gewitter mich beim Bügeln überrascht?
Stecker ziehen und das Gerät bis zum Ende des Gewitters nicht mehr benutzen. Laufendes Wasser, etwa beim Nachfüllen des Wassertanks, sollte dabei ebenfalls vermieden werden, solange das Gerät noch am Netz hängt.

Sind akkubetriebene Bügelgeräte während eines Gewitters unbedenklich?
Ja, solange sie nicht gerade über ein Ladekabel an der Steckdose hängen. Ohne Netzverbindung besteht kein zusätzliches Überspannungsrisiko.