Soll man in der Waschküche das Fenster offen lassen oder schließen?

Soll man in der Waschküche das Fenster offen lassen oder schließen?

Warum die Waschküche mehr Feuchtigkeit produziert als jeder andere Raum

In einem vollen Wäschekorb stecken selbst nach dem Schleudergang schnell bis zu zwei Liter Wasser, die beim Trocknen nach und nach an die Raumluft abgegeben werden. Dazu kommt die Waschmaschine selbst: Während sie läuft, gibt sie etwa 350 Milliliter Wasserdampf pro Stunde an den Raum ab, wie eine Fachseite zur Klimatechnik im Waschraum vorrechnet. Wird gleichzeitig gebügelt, kommen weitere 150 Milliliter pro Stunde hinzu. Diese drei Quellen zusammen erklären, warum eine Waschküche in kurzer Zeit deutlich feuchter wird als ein Wohnzimmer oder eine Küche.

Als gesunder Bereich für die relative Luftfeuchtigkeit in Innenräumen gelten laut der Energieberatung der Verbraucherzentrale Werte zwischen 40 und 60 Prozent. Bleibt die Feuchtigkeit über längere Zeit bei mehr als 70 Prozent, steigt das Schimmelrisiko deutlich. Da die Grundfeuchte in vielen Wohnungen ohnehin schon bei 40 bis 60 Prozent liegt, reicht eine einzige Waschladung ohne Lüften oft aus, um die kritische Marke von 60 Prozent zu erreichen, ab der laut mehreren Quellen die Schimmelbildung wahrscheinlich wird.

Fenster ganz öffnen statt kippen

Bei der Frage offen oder geschlossen geht es eigentlich um eine dritte Option, die oft übersehen wird: das dauerhaft gekippte Fenster. Ein Fensterflügel auf Kipp kühlt die umliegende Wand und die Laibung stark aus. Die warme, feuchte Luft aus der Waschküche trifft dort auf kalte Flächen und kondensiert, statt durch den schmalen Spalt nach draußen zu ziehen. Fachratgeber zur Waschküchenlüftung raten deshalb übereinstimmend, das Fenster beim Lüften vollständig zu öffnen und dauerhafte Kippstellungen zu vermeiden, wie es etwa im Ratgeber zur Waschküchenlüftung von Hausjournal beschrieben wird.

Steht ein zweites Fenster oder eine Tür gegenüber zur Verfügung, lohnt sich Querlüften: Beide Öffnungen weit aufmachen, sodass ein Durchzug entsteht. Der Luftaustausch geht dadurch spürbar schneller als über ein einzelnes Fenster, weil die feuchte Luft nicht erst durch Diffusion entweichen muss, sondern aktiv durch den Raum gedrückt wird.

Kurz und kräftig statt lang und halbherzig

Wie lange das Fenster offen bleiben sollte, hängt vom Zustand der Wäsche ab. Nachdem frisch geschleuderte Wäsche aufgehängt wurde, empfiehlt die bereits zitierte Fachseite zur Waschraumlüftung eine Lüftungsdauer von mindestens 60 Minuten, damit die anfängliche Feuchtigkeitsspitze abziehen kann. Danach genügt es, mehrmals täglich kurz zu lüften statt ein Fenster stundenlang angekippt zu lassen. Ein Ratgeber zur Waschküchenbelüftung von Heimwerk.org weist darauf hin, dass langes Lüften den gegenteiligen Effekt haben kann: Zwar entweicht die Feuchtigkeit aus dem Raum, gleichzeitig kann aber genauso gut neue Feuchtigkeit von außen hereinziehen, etwa an schwülen Tagen. Kurzes, kräftiges Stoßlüften mit weit geöffnetem Fenster ist deshalb effektiver als ein dauerhaft gekipptes oder stundenlang offenes Fenster.

Sommer und Winter verlangen unterschiedliche Strategien

Im Sommer kehrt sich die übliche Logik teilweise um. An schwülen Tagen kann die Luftfeuchtigkeit draußen kurzzeitig auf über 100 Prozent steigen. Trifft diese warme, feuchte Außenluft auf einen kühleren Waschraum, etwa im Keller, kondensiert sie dort an den Wänden statt zu verdunsten. Der Ratgeber von Heimwerk.org rät für solche Tage, möglichst wenig oder gar nicht zu lüften und stattdessen auf die kühleren Morgen- und Abendstunden zu warten, wenn die Außenluft trockener ist.

Im Winter ist das Problem meist umgekehrt: Die kalte Außenluft ist von Natur aus trockener, kühlt aber beim Lüften den Raum stark ab. Hier hat sich mehrfaches, kurzes Stoßlüften als effektivste Methode etabliert, wie sowohl der Hausjournal-Ratgeber als auch die Waschraum-Fachseite übereinstimmend empfehlen. Wird die Waschküche zusätzlich leicht beheizt, kann die Luft mehr Feuchtigkeit aufnehmen, bevor sie durch das kurze Stoßlüften wieder nach draußen befördert wird. Ein durchgehend gekipptes Fenster kühlt dagegen nur die Wände aus, ohne die Feuchtigkeit zuverlässig abzuführen.

Wäschetrockner in der Waschküche verändern die Rechnung

Steht neben der Waschmaschine auch ein Trockner in der Waschküche, kommt es entscheidend auf den Gerätetyp an. Ein Ablufttrockner braucht zwingend einen Abluftschlauch nach draußen, sonst landet die komplette Feuchtigkeit aus der Wäsche direkt im Raum. Der Schlauch sollte laut einem Ratgeber zur Abluftführung von Ablufttrocknern einen Mindestdurchmesser von 10 Zentimetern haben und nicht länger als 3 Meter sein, damit die feuchte Luft ungehindert abziehen kann. Ist kein Fenster für eine Fensterdurchführung vorhanden, braucht es eine feste Durchführung durch die Wand oder einen bestehenden Abluftschacht.

Ein Kondenstrockner oder Wärmepumpentrockner sammelt die Feuchtigkeit dagegen in einem Behälter und belastet den Raum spürbar weniger. Ganz verzichten sollte man aufs Lüften trotzdem nicht: Auch diese Geräte geben etwas Restwärme und Feuchtigkeit an ihre Umgebung ab, weshalb kurzes Stoßlüften während oder direkt nach dem Trocknungsgang sinnvoll bleibt, besonders wenn der Trockner in einem kleinen, schlecht durchlüfteten Raum steht.

Fensterlose Waschküche: Was das Fenster ersetzt

In vielen Kellern hat der Waschraum gar kein Fenster oder nur einen kleinen Lüftungsschacht. Ohne Fenster fällt das natürliche Stoßlüften weg, die Feuchtigkeit aus Waschmaschine und Wäscheständer muss dann anders abgeführt werden. Ein elektrischer Luftentfeuchter kann bereits als Basismodell rund 10 Liter Wasser pro Tag aus der Raumluft ziehen, was in einem geschlossenen Waschraum spürbar zur Schimmelvorbeugung beiträgt. Für dauerhaft fensterlose Räume rät das Umweltbundesamt laut demselben Waschraum-Ratgeber zu dezentralen Lüftungssystemen mit Feuchtigkeitssensoren, die sich automatisch einschalten, sobald ein festgelegter Feuchtewert überschritten wird.

Unabhängig vom Lüftungsweg zählt auch die Aufstellung: Waschmaschine, Trockner und Regale sollten mindestens 50 Zentimeter Abstand zur Wand haben, damit die Luft dahinter zirkulieren kann. Ohne diesen Abstand bilden sich hinter den Geräten leicht Feuchtigkeitsnester, die von außen lange unentdeckt bleiben.

Nach dem Waschgang: Maschine und Raum trocken halten

Lüften allein reicht nicht, wenn die Feuchtigkeitsquelle selbst weiterhin Wasser abgibt. Die Waschmaschine sollte nach jedem Waschgang für mindestens eine halbe Stunde mit offener Tür stehen bleiben, wie ein Ratgeber zur Waschmaschinentür empfiehlt, damit die Restfeuchte aus Trommel und Dichtung verdunsten kann, statt Schimmel und Bakterien einen Nährboden zu bieten. Auch die Waschmittelschublade bleibt am besten offen, bis sie innen vollständig getrocknet ist. Diese wenigen Minuten Aufmerksamkeit nach jedem Waschgang wirken oft stärker gegen Gerüche und Schimmelbildung als ein zusätzliches Fenster, das lange offen steht.

Häufige Fragen

Soll das Fenster in der Waschküche während des gesamten Waschgangs offen bleiben?
Ein einzelner Waschgang allein erzeugt noch keine kritische Feuchtigkeitsmenge. Sinnvoller als ein durchgehend offenes Fenster ist kurzes, kräftiges Stoßlüften direkt nach dem Waschgang und danach mehrmals täglich, besonders sobald die Wäsche zum Trocknen aufgehängt wird.

Wie lange sollte nach dem Aufhängen der Wäsche gelüftet werden?
Als Richtwert gelten mindestens 60 Minuten mit weit geöffnetem Fenster, da in dieser Phase die größte Feuchtigkeitsmenge aus der nassen Wäsche in die Raumluft übergeht.

Warum ist ein gekipptes Fenster keine gute Dauerlösung?
Die Kippstellung kühlt die Wand und die Fensterlaibung stark aus. Die feuchte Raumluft kondensiert dann eher an diesen kalten Flächen, als durch den schmalen Spalt zu entweichen, wodurch sich das Schimmelrisiko an genau dieser Stelle sogar erhöhen kann.

Was tun, wenn die Waschküche kein Fenster hat?
Ein elektrischer Luftentfeuchter oder eine dezentrale Lüftungsanlage mit Feuchtigkeitssensor kann die fehlende natürliche Lüftung ersetzen. Zusätzlich helfen ein Mindestabstand von 50 Zentimetern zwischen Geräten und Wand sowie ein Ventilator für bessere Luftzirkulation.

Sollte man an schwülen Sommertagen trotzdem lüften?
Nicht unbedingt. Steigt die Außenluftfeuchtigkeit stark an, kann warme, feuchte Luft beim Lüften in einen kühleren Raum eindringen und dort kondensieren. An solchen Tagen ist es oft besser, die kühleren Morgen- oder Abendstunden für das Stoßlüften zu nutzen.

Muss man bei einem Wärmepumpentrockner in der Waschküche trotzdem lüften?
Ja, wenn auch in geringerem Umfang als bei einem Ablufttrockner. Wärmepumpentrockner sammeln die Feuchtigkeit größtenteils im Kondensatbehälter, geben aber weiterhin etwas Restfeuchte und Wärme an den Raum ab, sodass kurzes Stoßlüften während oder nach dem Trocknungsgang sinnvoll bleibt.