Warum eine leere Wohnung anders reagiert als eine bewohnte
Die Sorge, dass zwei Wochen ohne ein einziges geöffnetes Fenster automatisch zu Schimmel führen, überträgt eine Faustregel aus dem Alltag auf eine Situation, in der die Ausgangslage eine andere ist. In einer bewohnten Wohnung entsteht laufend Feuchtigkeit: Ein Mensch gibt allein über Nacht bis zu einem halben Liter Wasser ab, etwa so viel wie bei einem Mal Duschen. Dazu kommen Kochen, Duschen, Wäschetrocknen. Fällt das während des Urlaubs komplett weg, fehlt der Wohnung genau die Quelle, die Luftfeuchtigkeit sonst Tag für Tag nach oben treibt.
Was bleibt, sind zwei andere Faktoren, die unabhängig davon arbeiten, ob jemand zu Hause ist: Feuchtigkeit, die bereits im Mauerwerk, im Keller oder in frisch verlegtem Estrich steckt, und Feuchtigkeit, die von außen durch Temperaturschwankungen entsteht. Beide Mechanismen laufen weiter, egal ob die Fenster in dieser Zeit einmal oder gar nicht geöffnet werden. Wie stark sie ins Gewicht fallen, hängt vom Gebäude ab, nicht vom Kalender.
Ab welcher Luftfeuchtigkeit es kritisch wird
Als gesunder Bereich für Wohnräume gilt eine relative Luftfeuchte zwischen 40 und 60 Prozent, so das Umweltbundesamt. Die Verbraucherzentrale zieht die Grenze etwas enger und rät, spätestens ab dauerhaft über 50 Prozent zu lüften. Kritisch wird es laut Umweltbundesamt direkt an kühlen Außenwänden schon früher: Ab einer relativen Luftfeuchte von etwa 70 bis 80 Prozent direkt vor der Wand können dort Schimmelpilze wachsen, selbst wenn das Hygrometer in Raummitte einen niedrigeren Wert anzeigt.
Für die Urlaubssituation heißt das: Eine leere, normal trockene Wohnung ohne Wasserschaden, ohne feuchten Keller und ohne offene Aquarien bewegt sich in aller Regel nicht von selbst in Richtung dieser kritischen Werte, nur weil zwei Wochen lang niemand lüftet. Ein Gebäude mit Vorschäden, ein frisch bezogener Neubau oder ein schlecht gedämmter Altbau mit kalten Wandecken sieht dagegen anders aus.
Wie schnell in zwei Wochen tatsächlich Schimmel entsteht
Wenn die Bedingungen einmal stimmen, geht es schneller, als viele erwarten. Sporen können sich bereits innerhalb von 24 bis 48 Stunden aktiv bilden, wenn Temperatur und Feuchtigkeit optimal sind, also bei rund 20 bis 25 Grad und hoher relativer Luftfeuchte. Sichtbare Flecken folgen laut derselben Quelle meist innerhalb weniger Tage bis zu einer Woche, besonders auf porösen Materialien wie Tapete, Trockenbau oder Fugen. Zwei Wochen Abwesenheit sind also mehr als genug Zeit für einen kompletten Schimmelbefall, sofern die Feuchtigkeit tatsächlich hoch genug bleibt und nicht zwischendurch wieder abtrocknet.
Der entscheidende Unterschied zur Alltagssituation ist, dass in der leeren Wohnung niemand da ist, der eine erste feuchte Stelle, einen beschlagenen Fensterrahmen oder einen tropfenden Schlauch bemerkt und eingreift. Ein kleiner Wasserschaden, der bei täglicher Anwesenheit sofort auffällt, kann sich über zwei Wochen ungestört ausbreiten.
Warum Sommerhitze das Risiko sogar erhöht
Gerade im Hochsommer, wenn die meisten Urlaube stattfinden, kehrt sich eine vertraute Logik um. Heizt sich ein Raum durch Sonneneinstrahlung stark auf, will die warme Luft viel Feuchtigkeit aufnehmen. Trifft diese warme, feuchte Luft dann auf kühlere Flächen, etwa Kellerwände oder schattige Nordzimmer, kondensiert das Wasser dort, ähnlich wie ein Spiegel nach dem Duschen beschlägt. Kritisch wird es laut den dort zitierten Verbraucherzentrale-Experten, wenn die relative Luftfeuchtigkeit über einen längeren Zeitraum mehr als 60 Prozent beträgt.
Wer zu Hause wäre, würde in dieser Situation gezielt lüften, aber eben nur, wenn die Außenluft kühler und trockener ist als die Raumluft, laut Faustregel dann, wenn die Außentemperatur mindestens 5 Grad unter der Kellertemperatur liegt. Im Sommer trifft das meist erst nach Sonnenuntergang zu. Genau dieses Zeitfenster fällt während einer Urlaubsabwesenheit komplett weg, was Kellerräume und Nordzimmer anfälliger macht als Räume mit viel Tageslicht und guter Durchlüftung im Alltag.
Was mit CO2 und der Raumluft wirklich passiert
Ein verbreiteter Irrtum ist die Vorstellung, in einer nicht gelüfteten Wohnung würde sich Kohlendioxid wie in einem vollbesetzten Besprechungsraum anstauen. Das Gegenteil ist der Fall: CO2 in Innenräumen steigt vor allem durch die Atmung anwesender Personen, in besetzten Räumen messbar innerhalb von ein bis zwei Stunden deutlich. Ohne Menschen im Raum fehlt genau diese Quelle, die CO2-Konzentration bewegt sich eher in Richtung des Außenluftniveaus von aktuell rund 420 ppm, statt weiter anzusteigen.
Was tatsächlich entstehen kann, ist ein muffiger Geruch, allerdings aus einem anderen Grund als schlechte Luft durch Atmung. Muffige Gerüche bilden sich, wenn Feuchtigkeit mit organischem Material auf einer Oberfläche zum Stehen kommt, etwa in Teppichen, Polstern oder Tapeten. Räume, die architektonisch gefangen sind und nicht regelmäßig durchzuggelüftet werden, gelten dabei als besonders anfällig. Der Geruch selbst ist gesundheitlich meist unbedenklich, verschwindet aber erst nach gründlichem Stoßlüften über mehrere Tage wieder vollständig.
Zimmerpflanzen und Baufeuchte als unterschätzte Feuchtigkeitsquellen
Auch ohne Bewohner kann Feuchtigkeit aktiv in die Raumluft gelangen, etwa über Zimmerpflanzen. Größere Grünpflanzen verdunsten kontinuierlich Wasser über ihre Blätter: Rund zwölf großblättrige Pflanzen in einem 28 Kubikmeter großen Raum können die Luftfeuchtigkeit um etwa 5 Prozent erhöhen. Wer vor dem Urlaub gießt und dann zwei Wochen lang nicht mehr lüftet, sorgt damit für einen kleinen, aber messbaren Dauerbeitrag zur Raumfeuchte, gerade in kleinen Räumen mit vielen Pflanzen.
Deutlich größer ist der Effekt bei einem Neubau. In frisch errichtetem Mauerwerk stecken laut Faustregel rund 100 Liter Wasser pro Quadratmeter, bei einem 150 Quadratmeter großen Einfamilienhaus also etwa 15.000 Liter, die über 120 bis 360 Tage wieder entweichen müssen. Bleiben die Fenster in dieser Phase zwei Wochen am Stück geschlossen, wird der ohnehin schon lange Trocknungsprozess zusätzlich ausgebremst. In einem trockenen Altbau ohne bekannte Feuchteprobleme spielt dieser Effekt dagegen praktisch keine Rolle.
Nach der Rückkehr: was jetzt zählt
Direkt nach der Ankunft hilft es, alle Fenster für längere Zeit vollständig zu öffnen, statt nur zu kippen, damit die während der Abwesenheit angestaute Luft zügig durch frische Außenluft ersetzt wird. Ein Hygrometer für ein paar Euro zeigt schnell, ob einzelne Räume, etwa der Keller oder ein Nordzimmer, tatsächlich über die kritischen Werte hinausgegangen sind oder ob die Sorge unbegründet war. Wer eine Vertrauensperson für die Blumen im Haus hat, kann sie gleich bitten, bei dieser Gelegenheit auch kurz durchzulüften, das kostet kaum zusätzlichen Aufwand und nimmt vorhandener Feuchtigkeit die Zeit, sich festzusetzen.
Zur Frage, ob die Fenster während der Abwesenheit überhaupt gekippt oder besser vollständig geschlossen bleiben sollten, geht es aus Sicherheits- und Versicherungssicht in einem separaten Beitrag zu Einbruchschutz und Hausratversicherung. Die Feuchtigkeitsfrage aus diesem Artikel bleibt davon unabhängig bestehen, unabhängig davon, wie die Fenster gestellt sind.
Häufige Fragen
Führt zweiwöchiger Urlaub ohne Lüften garantiert zu Schimmel?
Nein. Ohne Kochen, Duschen und mehrere anwesende Personen fehlt der Wohnung die wichtigste tägliche Feuchtigkeitsquelle. Ohne bereits vorhandene Feuchteschäden, Neubaufeuchte oder feuchten Keller bleibt die Luftfeuchte in vielen Wohnungen im unkritischen Bereich.
Welche Räume sind während der Abwesenheit am stärksten gefährdet?
Kellerräume, Nordzimmer und Räume mit kühlen Außenwänden, weil dort Kondenswasser laut Umweltbundesamt schon bei rund 70 bis 80 Prozent relativer Feuchte direkt an der Wand entstehen kann, selbst wenn der Rest des Raumes trockener bleibt.
Steigt die CO2-Konzentration in einer leeren Wohnung an?
Nein, eher im Gegenteil. CO2 entsteht in Innenräumen vor allem durch die Atmung anwesender Personen. Ohne Bewohner nähert sich der Wert eher dem Außenluftniveau von rund 420 ppm an, statt zu steigen.
Sollte man eine Vertrauensperson bitten, während des Urlaubs zu lüften?
Bei einem trockenen Altbau ohne Vorschäden ist das meist keine Pflicht. Bei Neubauten in der Trocknungsphase, feuchten Kellern oder vielen Zimmerpflanzen reduziert gelegentliches Stoßlüften durch eine Vertrauensperson das Risiko spürbar.