Kein Nest, sondern eine Wasserstelle
Anders als Wespen oder Ameisen bauen Mücken kein Nest im eigentlichen Sinn. Die Weibchen kleben ihre Eier zu kleinen Gruppen zusammen und setzen sie direkt auf die Oberfläche von stehendem Wasser, wo die Eier bis zum Schlupf treiben. Pro Eiablage legt ein Weibchen der Gemeinen Stechmücke (Culex pipiens) zwischen 150 und 300 Eier ab, wie das Umweltbundesamt angibt. Wer also nach einem „Mückennest“ sucht, sollte nicht Wandritzen oder Vorhangfalten absuchen, sondern jede noch so kleine Wasseransammlung: Untersetzer, Vasen, Gießkannen, vergessene Eimer.
Larven der Stechmücke sind mit bloßem Auge zu erkennen, sobald man gezielt hinschaut. Sie sind grau bis schwarz gefärbt, werden bis zu einem Zentimeter lang und hängen dicht unter der Wasseroberfläche, weil sie über ein kleines Atemröhrchen am Hinterteil Luft holen müssen, erklärt der Gartenratgeber Lubera. Bei der leisesten Erschütterung des Gefäßes tauchen sie kurz ab und kommen danach wieder an die Oberfläche.
Die klassischen Brutstätten auf Balkon und Terrasse
Die Stadt Bonn nennt in ihrem Merkblatt zur Asiatischen Tigermücke eine lange Liste an typischen Brutstätten: Regentonnen, Gießkannen, Blumenuntersetzer, Vogeltränken, Teelichthalter und verstopfte Regenrinnen. Auch alte Reifen, Abdeckplanen mit Mulden und Sandkastenspielzeug, in dem sich Regenwasser sammelt, zählen dazu. Nach Angaben der Stadt liegen etwa 60 bis 80 Prozent aller Brutstätten auf Privatgrundstücken, nicht im öffentlichen Raum. Das bedeutet: Die Kontrolle über das Problem liegt größtenteils in der eigenen Wohnung, auf dem eigenen Balkon.
Wie wenig dafür nötig ist, zeigt eine Zahl der Schädlingsbekämpfung Renoth: Einigen Mückenarten reicht bereits ein Milliliter Wasser zur Fortpflanzung. Eine übersehene Pfütze auf einer Terrassenplatte oder ein Tropfen im umgedrehten Blumentopf reicht damit theoretisch bereits aus.
Blumentöpfe und Untersetzer als Hauptquelle in der Wohnung
Innerhalb der eigenen vier Wände sind es fast immer dieselben Verdächtigen: Untersetzer unter Zimmerpflanzen, Übertöpfe ohne Ablauf und Balkonkästen mit verstopften Abzugslöchern. Der Gartenratgeber Gartenpapst weist darauf hin, dass abgestorbene Blätter und andere organische Rückstände im Untersetzer die Bedingungen für die Larven zusätzlich verbessern, weil sie als Nahrung dienen. Wer nach dem Gießen routinemäßig überschüssiges Wasser abgießt, entzieht den Larven damit die Lebensgrundlage, bevor sie sich überhaupt entwickeln können.
Sinnvoll ist außerdem, nach Bedarf der Pflanze zu gießen statt nach festem Rhythmus, die Feuchtigkeit unterhalb der Erdoberfläche zu prüfen und Abzugslöcher regelmäßig von Erde und Laub zu befreien. Bei Kübeln auf dem Balkon lohnt sich ein Blick auf die Nachbargefäße, denn eine einzelne übersehene Schale reicht aus, um den ganzen Aufwand an anderer Stelle zunichtezumachen.
Wie schnell aus wenigen Millilitern eine neue Generation wird
Die Geschwindigkeit, mit der sich aus einer Wasserstelle eine ausgewachsene Mücke entwickelt, hängt stark von Temperatur und Nahrungsangebot ab. Das Umweltbundesamt beziffert die gesamte Entwicklung vom Ei bis zum Schlupf der ausgewachsenen Stechmücke unter günstigen Bedingungen mit 10 bis 14 Tagen. Der Gartenratgeber Plantura nennt für den gesamten Zyklus rund 20 Tage – die Differenz erklärt sich vor allem durch Wassertemperatur und verfügbare Nahrung, die die Larven beim Wachstum beschleunigen oder verlangsamen. Die Larvenphase selbst durchläuft laut Mückenschutz-Ratgeber vier Häutungsstadien, bevor sich die Larve verpuppt. Zum Handeln bleiben demnach grob fünf bis zehn Tage, bevor aus der Larve eine flugfähige Mücke wird.
In Deutschland entwickeln sich laut Umweltbundesamt bis zu sechs oder sieben Mückengenerationen pro Jahr. Wer eine Wasserstelle einmal ausräumt und danach vergisst, hat das Problem also bestenfalls für zwei Wochen gelöst, nicht für den Sommer.
Wasser entfernen oder Larven gezielt abtöten
Die wirksamste Maßnahme bleibt, stehendes Wasser vollständig zu entfernen, statt es nur umzuschichten. Die Stadt Bonn empfiehlt, Behälter mit 60 bis 70 Grad heißem Wasser auszuspülen, weil diese Temperatur die Eier abtötet, und abgestandenes Wasser danach auf Grünflächen zu gießen statt in den Gully zu kippen, da sich Larven sonst im Kanalsystem weiterentwickeln können.
Lässt sich eine Wasserstelle nicht sofort leeren, etwa eine Regentonne, die noch gebraucht wird, hilft laut dem Gartenportal Hortica ein Schuss Spülmittel: Es setzt die Oberflächenspannung des Wassers herab, sodass die Larven den Halt verlieren und ertrinken. Das Wasser sollte danach allerdings nicht mehr zum Gießen verwendet werden, da die Seifenlauge Pflanzen und Nützlingen schaden kann. Für dauerhaft nicht leerbare Gewässer wie Gartenteiche nennen mehrere Fachquellen das biologische Larvizid Bacillus thuringiensis israelensis (Bti), das gezielt Mückenlarven abtötet, ohne andere Wasserbewohner zu belasten.
Wann ein Fachbetrieb übernehmen sollte
Bei einzelnen Untersetzern oder einer Regentonne reichen die genannten Hausmittel meist aus. Anders sieht es aus, wenn sich die Mückenplage trotz konsequenter Wasserkontrolle über Wochen hält oder wenn mehrere Brutstätten auf einem größeren Grundstück gleichzeitig betroffen sind. Schädlingsbekämpfung Renoth beziffert die Kosten für eine professionelle Behandlung, die Larvenbekämpfung mit Bti und gezielte Sprühbehandlungen kombiniert, mit 100 bis 250 Euro je nach Grundstücksgröße. Ein Fachbetrieb identifiziert dabei auch Brutstätten, die bei der eigenen Kontrolle leicht übersehen werden, etwa in schwer zugänglichen Bereichen des Grundstücks.
Häufige Fragen
Woran erkenne ich Mückenlarven im Wasser?
Larven der Stechmücke sind grau bis schwarz, werden bis zu einem Zentimeter lang und hängen kopfüber dicht unter der Wasseroberfläche, weil sie über ein Atemröhrchen am Hinterteil Luft holen. Bei Erschütterung tauchen sie kurz ab.
Wie viel Wasser braucht eine Mücke zur Eiablage?
Nach Angaben eines Schädlingsbekämpfungsbetriebs reicht einigen Arten bereits ein Milliliter stehendes Wasser. Eine übersehene Pfütze oder ein feuchter Untersetzer genügt damit theoretisch bereits.
Wie lange dauert es vom Ei bis zur fertigen Mücke?
Unter günstigen Bedingungen 10 bis 14 Tage, so das Umweltbundesamt. Andere Quellen nennen bis zu 20 Tage, abhängig von Wassertemperatur und Nahrungsangebot der Larven.
Reicht es, das Wasser einmal zu entfernen?
Nein. Da sich in Deutschland bis zu sechs bis sieben Mückengenerationen pro Jahr entwickeln, muss die Kontrolle regelmäßig wiederholt werden, nicht nur einmalig nach einer akuten Plage.
Was mache ich mit Wasser, das ich nicht wegschütten kann, etwa in der Regentonne?
Ein Schuss Spülmittel senkt die Oberflächenspannung, sodass Larven ertrinken. Das Wasser eignet sich danach nicht mehr zum Gießen. Für Gartenteiche und dauerhafte Gewässer kommt stattdessen das biologische Larvizid Bti infrage.
Wann lohnt sich ein Schädlingsbekämpfer?
Wenn die Plage trotz konsequenter Wasserkontrolle anhält oder mehrere Brutstätten auf einem größeren Grundstück gleichzeitig betroffen sind. Professionelle Behandlungen kosten je nach Betrieb und Grundstücksgröße etwa 100 bis 250 Euro.