Welche Gegenstände werden am häufigsten in Hotelzimmern vergessen?

Welche Gegenstände werden am häufigsten in Hotelzimmern vergessen?

Zwei Umfragen, zwei unterschiedliche Ranglisten

Wer nach dem meistvergessenen Gegenstand im Hotel sucht, stößt schnell auf widersprüchliche Antworten – und das liegt an den unterschiedlichen Befragten. Der Reiseveranstalter TUI France werteten im Sommer 2018 aus, was seine Gäste am Urlaubsort liegen ließen, und kam auf folgende Rangfolge: Handy, Reisepass, Unterwäsche, Reisekoffer, Kuscheltiere, Badezeug, Schlüssel, Schmuck, Strandspielzeug und Sonnenbrille.

Eine ganz andere Liste ergab eine Umfrage des Freizeit-Verlags unter rund 350 Hotels, die auf dem Portal meintophotel.de vertreten sind. Hier wurden nicht Reisende, sondern die Hotels selbst gefragt, was am Ende in den Zimmern zurückbleibt. Das Ergebnis: Das Ladekabel liegt eindeutig vorn, gefolgt von Kleidungsstücken, bei denen vor allem Badekleidung in den Taschen der Bademäntel übersehen wird. Danach folgen Kosmetik, Brillen, Bücher und Schmuck.

Beide Ranglisten sind plausibel, weil sie unterschiedliche Perspektiven abbilden. Reisende erinnern sich vor allem an das, was ihnen beim Zurückfliegen fehlte – also Wertsachen und Dokumente. Hotels sehen dagegen das, was tatsächlich im Zimmer zurückbleibt, und das sind mehrheitlich kleine, leicht zu übersehende Dinge.

Warum ausgerechnet das Ladekabel so oft zurückbleibt

Das Ladekabel hat einen strukturellen Vorteil gegenüber jedem anderen Gegenstand: Es steckt in der Wand und nicht im Koffer. Wer es beim Ankommen an der Nachttisch-Steckdose einsteckt, sieht es beim Packen oft schlicht nicht mehr, weil der Blick beim Kofferpacken auf Kleidung und Kulturbeutel liegt, nicht auf Steckdosen hinter dem Nachttisch oder unter dem Schreibtisch. Je mehr Geräte eine Reise mitbringt, desto größer wird das Risiko: Smartphone, Tablet, Laptop und Kopfhörer bedeuten oft vier Kabel an vier verschiedenen Stellen im Zimmer.

Nach Angaben eines Sprechers der Hotelgruppe Inter-Continental, der gegenüber HOGAPAGE zitiert wird, gehören Ladekabel und Ladegeräte für Handys und Laptops zu den mit Abstand häufigsten Fundstücken in den Zimmern der Kette. In derselben Aufzählung tauchen auch Kleidung, Unterwäsche, Schlafanzüge, Schlüssel, Handys, Führerscheine und Kreditkarten auf – und überraschend oft auch Eheringe, die beim Duschen oder Eincremen abgelegt und danach vergessen werden.

Kleidung und Hygieneartikel: der stille Dauergast auf jeder Liste

So unterschiedlich die beiden Rankings sonst ausfallen, bei einem Punkt sind sie sich einig: Kleidung landet praktisch immer unter den ersten drei Plätzen. Das Portal t-online beschreibt dabei einen Unterschied zwischen Stadt- und Ferienhotels: In Stadthotels dominieren Smartphone- und Laptop-Kabel als Fundstück, während in Ferienhotels T-Shirts, Wecker, Zahnbürsten sowie Unter- und Oberbekleidung die Liste anführen. Der Grund liegt nahe: Im Urlaub wird mehr ausgepackt und über mehrere Tage im Zimmer verteilt – auf dem Balkon zum Trocknen, im Bad zum Eincremen, im Schrank zum Sortieren -, während Geschäftsreisende oft nur den Koffer öffnen und wieder schließen.

Laut t-online lässt im Schnitt ungefähr jeder Zwanzigste Hotelgast etwas zurück. Das klingt nach wenig, summiert sich aber bei einem einzelnen größeren Haus schnell zu mehreren Fundstücken pro Tag.

Vergessen ist nicht dasselbe wie gestohlen

Neben dem, was Gäste versehentlich zurücklassen, gibt es eine zweite, deutlich größere Kategorie: Dinge, die bewusst mitgenommen werden. Die Wellness-Heaven-Studie aus dem Jahr 2023 befragte dazu 1.376 Hoteliers, davon 740 aus 4-Sterne- und 636 aus 5-Sterne-Häusern, überwiegend in Europa. An der Spitze der absichtlich mitgenommenen Gegenstände stehen Handtücher mit einer von 79,2 Prozent der Befragten genannten Diebstahlrate, gefolgt von Bademänteln, Kleiderbügeln, Stiften und Kosmetikartikeln.

Im Vergleich zur Vorgängererhebung von 2019 zeigt die Studie auch klare Trends: Kaffeemaschinen wurden häufiger mitgenommen als zuvor (von 6,9 auf 11,4 Prozent), ebenso Matratzen (von 4,2 auf 6,6 Prozent) und Tablet-Computer (von 12,0 auf 18,3 Prozent). Rückläufig war dagegen die Mitnahme von Telefonen (von 4,8 auf 3,4 Prozent), Besteck (von 33,6 auf 27,5 Prozent) und Lampen (von 4,3 auf 4,1 Prozent). Neu in der Erhebung waren Mini-Kühlschränke mit einer Rate von 3,3 Prozent. Diese Zahlen betreffen ausdrücklich absichtliche Mitnahme, nicht das unbeabsichtigte Liegenlassen persönlicher Gegenstände – beide Phänomene werden in der öffentlichen Berichterstattung gerne vermischt, beschreiben aber ein völlig anderes Gästeverhalten.

Was mit Fundsachen passiert, wenn sich niemand meldet

Für tatsächlich vergessene persönliche Gegenstände gilt in Deutschland eine gesetzliche Aufbewahrungspflicht: Laut t-online müssen Hotels Fundstücke mindestens sechs Monate lang aufheben, bevor sie anderweitig damit verfahren dürfen. Über 80 Prozent der Gäste melden sich dabei bereits innerhalb eines Tages nach der Abreise, wenn ihnen etwas fehlt. In drei Vierteln aller Fälle bleibt der ursprüngliche Besitzer jedoch komplett aus, und das Fundstück wird nie mehr abgeholt.

Der bereits erwähnte Inter-Continental-Sprecher nennt gegenüber HOGAPAGE eine noch deutlichere Zahl aus der eigenen Hotelkette: Rund 95 Prozent aller Fundsachen werden demnach überhaupt nicht zurückverlangt. Die Differenz zwischen den beiden Angaben erklärt sich vermutlich durch unterschiedliche Erhebungszeiträume und -methoden, das Grundmuster ist aber in beiden Fällen dasselbe: Der überwiegende Teil dessen, was im Hotelzimmer zurückbleibt, holt niemand mehr ab.

Kuriose Fundstücke am Rande

Neben Ladekabeln und Unterwäsche tauchen in den Berichten der Hotelbranche immer wieder Ausreißer auf, die zeigen, wie unterschiedlich ein Hotelzimmer verlassen werden kann. In der Sammlung von tophotel.de finden sich neben Zahnprothesen und Gebissen auch Krücken. HOGAPAGE listet in seiner Übersicht unter anderem ein Holzbein, eine Katze samt Katzenklo, ein Shetlandpony namens Pudding, eine Unterhose mit eingenähten Banknoten im Wert von 1.000 Euro sowie ein pinkfarbenes Hirschgeweih und einen kompletten Staubsauger. Solche Fälle bleiben Ausnahmen, verdeutlichen aber, dass die Bandbreite dessen, was Gäste zurücklassen, weit über Ladekabel und Zahnbürsten hinausgeht.

Die Checkout-Routine, die tatsächlich etwas bringt

Aus den genannten Umfragen lässt sich eine praktische Reihenfolge ableiten, die genau an den Stellen ansetzt, an denen am häufigsten etwas übersehen wird:

  • Alle Steckdosen im Raum abgehen – Nachttisch, Schreibtisch und Badezimmer, nicht nur die eine, die man beim Einchecken benutzt hat.
  • Bad komplett durchsehen – Dusch- und Wannenrand, Fensterbank, Ablage hinter dem Spiegel, Haken an der Tür.
  • Kleiderschrank und Bügel prüfen – besonders Jacken, Bademäntel und alles, was auf einem Bügel hängt statt im Koffer zu liegen.
  • Unter Bett, Sofa und Sesseln nachsehen – Schuhe und Ladekabel rutschen hier besonders leicht hin.
  • Balkon oder Terrasse nicht vergessen – Handtücher und Badekleidung zum Trocknen werden regelmäßig übersehen.
  • Safe aktiv öffnen und leeren – ein leerer Safe wird beim schnellen Blick ins Zimmer oft übersprungen, gerade wenn er in einem Schrank versteckt ist.
  • Minibar-Fach und Nachttisch-Schublade kontrollieren – hier landen häufig Ladegeräte, Brillen und Schmuck über Nacht.

Wer sich zusätzlich angewöhnt, das Zimmer beim letzten Verlassen einmal komplett mit dem Blick abzusuchen, bevor der Schlüssel abgegeben wird, deckt die meisten der oben genannten Fälle bereits ab – unabhängig davon, welcher der beiden Ranglisten man am ehesten glaubt.

Häufige Fragen

Was ist der am häufigsten vergessene Gegenstand im Hotel?
Das hängt von der Quelle ab: Die Umfrage des Freizeit-Verlags unter rund 350 Hotels sieht das Ladekabel vorn, die TUI-France-Auswertung von 2018 nennt das Handy an erster Stelle. Übereinstimmend liegen Ladekabel, Kleidung und Hygieneartikel in beiden Ranglisten weit oben.

Wie lange müssen Hotels Fundsachen aufbewahren?
Laut t-online gilt eine gesetzliche Mindestfrist von sechs Monaten, bevor Hotels anderweitig über nicht abgeholte Fundstücke verfügen dürfen.

Bekommt man vergessene Gegenstände in der Regel zurück?
Nur ein Teil. Wer sich innerhalb eines Tages meldet, hat gute Chancen – das tun laut t-online über 80 Prozent der Betroffenen. Insgesamt bleibt aber ein großer Anteil der Fundstücke unabgeholt: t-online nennt drei Viertel, ein Inter-Continental-Sprecher gegenüber HOGAPAGE sogar rund 95 Prozent.

Wird im Hotel häufiger etwas vergessen oder gestohlen?
Beides kommt vor, betrifft aber unterschiedliche Gegenstände. Absichtlich mitgenommen werden laut der Wellness-Heaven-Studie 2023 vor allem Handtücher, Bademäntel und Kleiderbügel. Unbeabsichtigt liegen bleiben dagegen typischerweise Ladekabel, Kleidungsstücke und Hygieneartikel.