Ausmisten kommt vor jeder Falttechnik
Bevor überhaupt eine Falttechnik oder ein neues Ordnungssystem zum Einsatz kommt, lohnt sich ein ehrlicher Blick auf den Ist-Zustand. Die eingangs erwähnte Movinga-Befragung von 18.000 Haushalten in 20 Ländern zeigt, dass Menschen ihren eigenen ungenutzten Kleidungsanteil deutlich unterschätzen. Ein Schrank, der zu einem Drittel aus Teilen besteht, die ohnehin nie getragen werden, lässt sich durch keine Falttechnik der Welt sinnvoll organisieren – er bleibt einfach nur ordentlicher voll.
Praktikabel ist es, den Schrank fach- oder stangenweise zu leeren statt alles auf einmal auf das Bett zu kippen. So bleibt die Aufgabe überschaubar, und jedes Teil wird tatsächlich einzeln angesehen statt in der Menge unterzugehen.
Die KonMari-Methode: Kleidung steht statt liegt
Die von der japanischen Ordnungsberaterin Marie Kondo bekannt gewordene Falttechnik dreht das Prinzip klassischer Stapel um: Kleidungsstücke werden nicht übereinandergelegt, sondern zu kompakten Rechtecken gefaltet, die aufrecht in der Schublade stehen – ähnlich wie Ordner in einem Regal. Bei T-Shirts und Pullovern wird das Kleidungsstück laut Anleitung des Schweizer Ratgeberportals myky.ch mit der Vorderseite nach unten hingelegt, beide Seiten werden zur Mitte eingeschlagen, die Ärmel sauber angelegt und das Teil anschließend von unten nach oben zu einem kompakten Rechteck gefaltet.
Hosen werden dafür an den Beinen aufeinandergelegt und zwei- bis dreimal gefaltet, bis sie ins Schubladenfach passen. Bei Socken empfiehlt sich, sie paarweise aufeinanderzulegen und locker zusammenzufalten, statt eine Socke über die andere zu stülpen – das schont das Gummibündchen und verlängert die Haltbarkeit. Der Effekt der stehenden Aufbewahrung: Jedes Teil ist beim Öffnen der Schublade auf einen Blick sichtbar, sodass niemand mehr den ganzen Stapel durchwühlen muss, um das gesuchte Shirt zu finden.
Military Roll: Rollen statt falten für enge Fächer
Für Funktionskleidung, enge T-Shirts und alles, was in Koffern oder schmalen Schubladen verstaut werden soll, eignet sich die sogenannte Military Roll besser als eine Faltmethode. Laut der Übersicht platzsparender Falttechniken von Utopia.de wird das Kleidungsstück dafür flach ausgebreitet, ein kleiner Teil auf links gefaltet, das Stück dann zu einem schmalen Streifen zusammengeklappt und straff aufgerollt, wobei die zuvor gefaltete Ecke am Ende über die Rolle gezogen wird und die Rolle fixiert.
Der Vorteil liegt in der Kompaktheit für Reisetaschen und schmale Schubladen. Bei dickeren Stoffen wie Sweatshirts oder Wollpullovern kehrt sich der Effekt jedoch um: Gerollt nehmen sie oft mehr Platz ein als sauber gefaltet, weil die Rolle nicht flach zusammendrückbar ist. Für Unterwäsche, Socken und Sportkleidung bleibt Rollen dagegen fast durchgehend die platzsparendere Wahl.
Was zum Aufhängen gehört und was nicht
Nicht jedes Kleidungsstück gehört gefaltet in die Schublade. Blusen, Hemden, Sakkos, dicke Jacken und Mäntel behalten ihre Form am längsten am Bügel und knittern dort auch am wenigsten – vorausgesetzt, der Bügel ist stabil genug für das Gewicht. Wer den vorhandenen Hängeplatz verdoppeln möchte, kann laut den Profi-Tipps von Westwing zwei Kleiderbügel mit einer Dosenlasche oder einem Gummiring verbinden und so zwei Teile übereinander hängen, oder eine Teleskopstange einsetzen, die eine zweite Bügelreihe unterhalb der bestehenden Stange schafft. Für Hosen und Shorts eignen sich zusätzlich Winkelhaken, die mehrere Teile platzsparend nebeneinander an einer einzigen Stange fixieren.
Vakuumbeutel: Bis zu 75 Prozent weniger Volumen – aber nicht für alles
Für sperrige Saisonware wie Winterjacken, Decken oder Bettwäsche bringen Vakuumbeutel den größten Effekt. Laut dem Fachratgeber von Vakuumierertest.de lässt sich das Volumen von Kleidung durch das Absaugen der Luft um bis zu 75 Prozent reduzieren. Geeignet sind vor allem Kunstfaserfüllungen, Fleecejacken, robuste Winterkleidung und Baumwollbettwäsche, die vor dem Einpacken vollständig trocken sein sollte. Knöpfe werden geschlossen und Reißverschlüsse hochgezogen, bevor der Beutel bis zur markierten Füllgrenze bestückt und die Luft abgesaugt wird.
Ungeeignet sind laut demselben Ratgeber Seide, Leder, perlenbestickte Kleidung sowie Wolle, da der starke Druck zu Verfilzung und dauerhaften Knitterfalten führen kann, die sich bei manchen Stoffen kaum wieder ausbügeln lassen. Auch Daunenjacken sollten nicht dauerhaft vakuumiert gelagert werden, da die feinen Federn unter der Kompression brechen und ihre Isolierfähigkeit verlieren können – für die kurze Reise ins Gepäck ist das unproblematisch, für die monatelange Lagerung im Keller eher nicht. Nach dem Auspacken brauchen Daunenteile mehrere Stunden, um wieder aufzuplustern. Wer Vakuumbeutel dauerhaft im Einsatz hat, sollte sie laut Ratgeber etwa alle sechs Monate auf Luftdichtheit prüfen, da die Nähte mit der Zeit nachlassen können.
Trennwände, Boxen und Farbordnung in der Schublade
Auch innerhalb von Schubladen entscheidet die Aufteilung darüber, wie viel tatsächlich hineinpasst, ohne dass Kleidung zerknittert wird. Die Westwing-Redaktion empfiehlt, Schuhkartons oder zurechtgeschnittene Pappe als Trennwände einzusetzen, um Fächer für Unterwäsche, Socken oder Accessoires abzugrenzen, sowie einheitliche Körbe und Boxen für eine klare optische Struktur zu verwenden. Saisonale Teile wie Sommerkleider im Winter lassen sich in beschrifteten oder mit einem Foto versehenen Schuhkartons oberhalb des Schranks zwischenlagern, ohne den täglich genutzten Bereich zu blockieren.
Eine zusätzliche Kategorisierung nach Anlass – etwa Loungewear, Sportkleidung, Freizeit- und Business-Teile – sorgt dafür, dass verwandte Kleidungsstücke immer am selben Ort landen und sich nach dem Waschen schneller einsortieren lassen. Wer zusätzlich nach Farben stapelt, findet einzelne Teile beim morgendlichen Blick in den Schrank schneller wieder, ohne den ganzen Stapel umzuschichten.
Saisonale Rotation schafft dauerhaft Platz
Ein Kleiderschrank, der ganzjährig die komplette Garderobe fassen soll, ist fast zwangsläufig zu voll. Wird Kleidung, die gerade nicht zur Saison passt, ausgelagert – etwa in Vakuumbeuteln, Unterbett-Boxen oder auf einer oberen Ablage – bleibt im Hauptbereich nur das, was tatsächlich gebraucht wird. Beim Saisonwechsel lohnt sich gleichzeitig ein kurzer Blick auf Teile, die eine ganze Saison lang nicht getragen wurden: Sie sind ein guter Kandidat für die nächste Aussortierrunde, bevor sie erneut eingelagert werden.
Häufige Fragen
Welche Falttechnik spart am meisten Platz?
Für Schubladen ist die stehende Faltung nach dem KonMari-Prinzip meist am platzsparendsten, weil jedes Teil einzeln zugänglich bleibt und keine Stapel entstehen, die beim Herausziehen einzelner Teile in Unordnung geraten. Für Koffer und schmale Fächer ist die Military Roll oft kompakter.
Lohnen sich Vakuumbeutel für den täglichen Gebrauch?
Für Kleidung, die regelmäßig getragen wird, eher nicht – das Ein- und Auspacken kostet Zeit, und manche Stoffe nehmen durch den Druck Knitterfalten an. Für saisonale oder selten genutzte Teile wie Winterjacken oder Bettdecken bringt die Platzersparnis von bis zu 75 Prozent dagegen einen klaren Vorteil.
Was passiert mit Kleidung, die nicht vakuumiert werden sollte?
Seide, Leder, Wolle und Daunenteile werden für die Langzeitlagerung besser locker und trocken aufbewahrt, etwa in einem atmungsaktiven Kleidersack, statt unter Druck komprimiert zu werden.
Wie oft sollte der Kleiderschrank ausgemistet werden?
Ein Rhythmus von zwei Aussortierrunden pro Jahr, jeweils zum Saisonwechsel, hält den Bestand überschaubar und verhindert, dass sich ungetragene Teile wieder unbemerkt ansammeln.
Was tun mit Kleidung, die nicht in Schubladen passt?
Sperrige Teile wie Mäntel, Blazer oder lange Kleider gehören an den Bügel statt in die Schublade. Doppelte Kleiderstangen oder Winkelhaken schaffen zusätzlichen Hängeplatz, ohne dass ein größerer Schrank nötig wird.