Wie kann man Handtücher desinfizieren?

Wie kann man Handtücher desinfizieren?

Wie viele Keime tatsächlich auf einem Handtuch leben

Forscherinnen und Forscher um Susheela Biranjia-Hurdoyal von der Universität Mauritius haben 100 Küchenhandtücher aus Privathaushalten untersucht, die jeweils einen Monat lang im Gebrauch waren. Das Ergebnis: 49 der 100 Tücher wiesen Bakterienbefall auf, mit durchschnittlich 276.000 koloniebildenden Einheiten. Am häufigsten fand sich E. coli, auf mehr als 30 Prozent der Tücher, dazu Enterococcus- und Pseudomonas-Arten. Auf 14 Prozent der belasteten Tücher wuchs zusätzlich Staphylococcus aureus.

Die Studie zeigt auch, wovon die Belastung abhängt: Haushalte mit mehr Personen und Kindern hatten höhere Werte, ebenso Haushalte mit regelmäßigem Fleischkonsum – vegetarische Haushalte zeigten deutlich weniger E. coli und Staphylococcus aureus. Feuchte Tücher waren stärker belastet als trockene, und Tücher, die für mehrere Zwecke gleichzeitig dienten, also Hände abtrocknen, Geschirr abwischen und Arbeitsflächen wischen in einem, trugen mehr Keime als solche mit einer festen Aufgabe.

40 oder 60 Grad? Was die Waschtemperatur wirklich leistet

Genau hier gehen die Empfehlungen auseinander. Die Verbraucherzentrale hält 30 bis 40 Grad für den normalen Wäschealltag für ausreichend. Die AOK schreibt ähnlich, dass bei vielen Maschinen und Waschmitteln Handtücher bereits bei 40 Grad Celsius ausreichend sauber werden, empfiehlt aber bei einer ansteckenden Krankheit im Haushalt eine höhere Temperatur zwischen 60 und 95 Grad.

Einig sind sich beide Quellen an einem anderen Punkt: Wer regelmäßig bei niedrigen Temperaturen wäscht, sollte mindestens einmal im Monat einen Waschgang bei 60 Grad mit bleichmittelhaltigem Vollwaschmittel nachschieben. Diese Kombination entfernt laut Verbraucherzentrale Waschmittelreste und tötet Keime ab, die sich unweigerlich in der Maschine ansammeln.

Der monatliche 60-Grad-Waschgang und warum das Waschmittel mitentscheidet

Nicht nur die Temperatur zählt, auch die Waschmittelform. Vollwaschmittel in Pulverform enthält ein sauerstoffbasiertes Bleichmittel, das laut Verbraucherzentrale Pilze und Bakterien abtötet, die sich als Biofilm in der Maschine festsetzen. Flüssigwaschmittel enthält dagegen in der Regel kein Bleichmittel, weil es darin instabil wäre. Für die reine Handtuchwäsche ist das unproblematisch, für den hygienischen Effekt des monatlichen Waschgangs aber nicht ausreichend.

Wer eher unter müffelnder Wäsche als unter der Frage nach Desinfektion leidet, hat oft ein anderes Problem: Dann sitzt der Geruch nicht im Handtuch, sondern in der Waschmittelschublade oder der Maschine selbst.

Hygienespüler: sinnvoll oder überflüssig?

Hygienespüler machen Wäsche laut Utopia zwar tatsächlich keimfrei, sind aber in gesunden Haushalten meist unnötig. Das Umweltbundesamt rät gesunden Privathaushalten ausdrücklich von Hygienespülern und ähnlichen desinfizierenden Waschzusätzen ab, der normale Waschgang reiche für die Hygiene im Normalfall völlig aus. Wer bei 60 Grad mit einem Vollwaschmittel mit Tensiden wäscht, wird Keime demnach auch ohne Spüler los.

Gegen den routinemäßigen Einsatz sprechen zwei Punkte: Die desinfizierenden Substanzen können Allergien auslösen und belasten das Abwasser. Sinnvoll bleiben Hygienespüler dort, wo aus gesundheitlichen Gründen dauerhaft bei niedrigen Temperaturen gewaschen werden muss, etwa bei einer Person mit geschwächtem Immunsystem im Haushalt.

Küchenhandtücher brauchen strengere Regeln als Badetücher

Nicht jedes Handtuch trägt das gleiche Risiko. Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt für Geschirrtücher und Spüllappen laut t-online, sie mindestens einmal wöchentlich auszutauschen, besser öfter, und dabei bei 60 Grad zu waschen, nicht im Eco-Programm. Grund ist der direkte Kontakt mit rohem Fleisch, Eierschalen und feuchten Händen beim Kochen, der genau die Keime auf das Tuch bringt, die auch in der Mauritius-Studie dominierten.

Wie oft Handtücher wirklich gewechselt werden sollten

Für Handtücher zum Händetrocknen im Bad rät der Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel zu einem Wechsel spätestens alle zwei Tage, besonders in der Erkältungs- und Grippezeit. Bei Duschtüchern reicht laut Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen ein wöchentlicher Wechsel. Die AOK bestätigt diesen Rhythmus für gesunde Haushalte und rät zusätzlich, Handtücher an einem Wäscheständer statt am Handtuchhaken aufzuhängen: Großflächiges Aufhängen beschleunigt das Trocknen gegenüber dem gefalteten Zustand am Haken.

Warum vollständiges Trocknen der zweite Hygieneschritt ist

Waschtemperatur allein reicht nicht, wenn das Handtuch danach stundenlang feucht hängen bleibt. Je feuchter ein Tuch bleibt, desto besser die Bedingungen für die Vermehrung von Bakterien, das bestätigt auch die Mauritius-Studie, in der feuchte Tücher durchweg höher belastet waren als trockene. Ein Handtuch, das nach dem Gebrauch schnell und vollständig durchtrocknet, gibt Keimen deutlich weniger Zeit, sich zu vermehren, als eines, das über Stunden feucht in einer Ecke hängt.

Häufige Fragen

Reicht 40 Grad zum Desinfizieren von Handtüchern aus?
Für den normalen Wäschealltag in einem gesunden Haushalt gelten 40 Grad laut Verbraucherzentrale und AOK als ausreichend sauber. Bei einer ansteckenden Krankheit im Haushalt sollte die Temperatur auf 60 bis 95 Grad steigen.

Muss jeder Waschgang bei 60 Grad laufen, um Keime loszuwerden?
Nein. Ausreichend ist laut Verbraucherzentrale ein Waschgang bei 60 Grad mit bleichmittelhaltigem Vollwaschmittel etwa einmal im Monat, zusätzlich zur normalen Wäsche bei niedrigerer Temperatur.

Braucht jeder Haushalt einen Hygienespüler?
Nein. Das Umweltbundesamt rät gesunden Privathaushalten ausdrücklich davon ab, weil der normale Waschgang für die Hygiene ausreicht und die desinfizierenden Zusätze Allergien auslösen und das Abwasser belasten können.

Wie oft sollte ein Küchenhandtuch gewechselt werden?
Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt mindestens einmal wöchentlich, besser öfter, weil Küchentücher direkten Kontakt zu rohem Fleisch und anderen Keimquellen haben.

Trocknet ein Handtuch am Haken schneller als am Wäscheständer?
Nein, umgekehrt: Ein großflächig aufgehängtes Handtuch am Wäscheständer trocknet laut AOK schneller als ein gefaltetes Handtuch am Handtuchhaken, weil mehr Fläche mit Luft in Kontakt kommt.