Wie pflegt man unglasierte Keramikfliesen in der Küche?

Wie pflegt man unglasierte Keramikfliesen in der Küche?

Warum unglasierte Fliesen sich anders verhalten als glasierte

Der Begriff „unglasiert“ fasst technisch sehr unterschiedliche Materialien zusammen, und genau das führt in der Küche zu Missverständnissen. Bei Feinsteinzeug der Klassifizierung BIa liegt die Wasseraufnahme laut Norm bei maximal 0,5 Prozent – der Scherben ist dicht gebrannt und nimmt kaum Feuchtigkeit auf, auch ohne Glasur. Erst wenn die Oberfläche nachträglich poliert wird, öffnen sich feine Poren, und der Hersteller empfiehlt in diesem Fall eine Imprägnierung für polierte, unglasierte Feinsteinzeugflächen.

Bei Cotto, Terrakotta und ähnlicher Grobkeramik liegt der Fall anders. Diese Fliesen werden bei niedrigeren Temperaturen gebrannt, der Scherben bleibt offenporig – Fachportale beschreiben es so, dass er „alle Flüssigkeiten aufsaugt wie ein Schwamm“. Je dichter ein Material gebrannt wurde, desto geringer die Porosität und damit die Wasseraufnahmefähigkeit. Für die Küchenpflege bedeutet das: Bevor Sie ein Reinigungs- oder Pflegeprodukt kaufen, lohnt sich ein Blick auf die genaue Fliesenart – Cotto braucht eine andere Behandlung als unglasiertes, unpoliertes Feinsteinzeug.

Warum Wachs- und ölhaltige Reiniger die Poren zusetzen statt zu reinigen

Der häufigste Pflegefehler bei offenporigen Fliesen ist ausgerechnet ein „pflegender“ Reiniger. Tensidhaltige Mittel, etwa grüne Seife oder Neutralseife, hinterlassen laut Fachbetrieben für Natursteinpflege mit der Zeit eine Schicht auf der Oberfläche, an der sich Schmutzpartikel binden. Auf glatter, glasierter Keramik lässt sich dieser Film noch wegwischen. In den Vertiefungen einer offenporigen Fliese setzt er sich dagegen fest und wird mit jeder weiteren Wischrunde dicker.

Ähnlich beschreibt es ein Fliesenfachportal für Terrakotta: Rückfettende Zusätze aus Universalreinigern führen zu einem Grauschleier, und ölhaltige Zusatzstoffe „versiegeln Schmutz nur tiefer“ statt ihn zu lösen. Das Ergebnis wirkt auf den ersten Blick sauber, weil der frische Wischzug glänzt – tatsächlich sammelt sich unter der neuen Schicht immer mehr altes Fett und Wachs an, das sich später nur noch mit aggressiven Mitteln herauslösen lässt.

Für den Alltag empfehlen mehrere Anbieter deshalb einen pH-neutralen, tensidfreien Reiniger. Bei stärkeren Fettverschmutzungen kommen alkalische Spezialreiniger für Feinsteinzeug zum Einsatz, bei Kalk- oder Zementschleiern dagegen säurehaltige Produkte – beide Reinigertypen sollten aber nicht gemischt oder dauerhaft im Wechsel ohne klaren Anlass verwendet werden.

Imprägnierung: bei porösen Fliesen wichtiger als bei glasierten

Bei glasierter Keramik übernimmt die glasige Schutzschicht die Aufgabe, die bei unglasierten Fliesen die Imprägnierung leisten muss. Ein Fachbetrieb für Natursteinpflege erklärt den Unterschied zwischen Imprägnierung und Versiegelung so: Eine Imprägnierung ist „nicht schichtbildend, dampfdiffusionsoffen sowie wasser-, schmutz- und ölabweisend“ – der Wirkstoff lagert sich an den Porenwänden an, ohne die Oberfläche zu verschließen. Eine Versiegelung dagegen bildet einen Film auf der Fliese und kann die Rutschfestigkeit verschlechtern – in der Küche ein Sicherheitsrisiko.

Für die Auffrischung nennen zwei unabhängige Fachquellen übereinstimmend denselben Rhythmus: In stark genutzten Bereichen wie der Küche sollte die Imprägnierung jährlich erneuert werden, in weniger beanspruchten Räumen reichen alle zwei bis drei Jahre. Ein Betrieb für Cotto-Pflege bestätigt dieses Intervall unabhängig davon und ergänzt, dass die Imprägnierung gezielt vor Säureeinwirkung durch Zitrone, Cola, Wein und Fettverschmutzungen schützt – genau die Stoffe, die in einer Küche am häufigsten auf dem Boden landen.

Bei glattem, unpoliertem Feinsteinzeug mit werksseitig niedriger Wasseraufnahme ist eine Imprägnierung dagegen meist nicht notwendig, da kaum Flüssigkeit in den Scherben eindringt. Prüfen Sie im Zweifel die Herstellerangabe zur Wasseraufnahme, bevor Sie ein Imprägnierprodukt kaufen.

Fettflecken, die bereits eingezogen sind, brauchen eine andere Behandlung

Ein frischer Fettspritzer lässt sich von jeder Fliese abwischen. Anders sieht es aus, wenn das Fett schon Tage oder Wochen in den Poren sitzt – hier hilft reines Wischen nicht mehr, weil die Flüssigkeit unter die Oberfläche gezogen ist. Für genau diesen Fall beschreibt ein Ratgeberportal die sogenannte Ziehmethode: Eine Paste aus Mehl und einem milden Lösungsmittel wie Waschbenzin wird auf den Fleck aufgetragen und vollständig trocknen gelassen, bevor sie abgekehrt wird. Beim Trocknen zieht die Paste das eingezogene Fett aus den Poren mit heraus.

Eine mildere Variante für empfindlichere Flächen nutzt Talkumpulver oder Speisestärke: Eine dünne Schicht wird mehrere Stunden auf dem Fleck belassen, da das Pulver das Fett durch Kapillarwirkung aus der Oberfläche zieht. Bei ganz frischen Flecken reicht es oft, sofort Speisestärke oder Mehl aufzustreuen und nach wenigen Minuten wegzuwischen, bevor das Fett überhaupt tief eindringen kann. Wichtig bei beiden Methoden: nicht einreiben, sondern das Pulver die Arbeit machen lassen und erst danach trocken abkehren oder absaugen.

Wachs oder Öl in der Küche – worauf Sie achten sollten

Bei Cotto und Terrakotta gehört das Wachsen oder Ölen traditionell zur Pflege dazu, weil es die Farbe vertieft und die Oberfläche zusätzlich verdichtet. In der Küche ist dabei allerdings Vorsicht geboten: Ein Fachportal für Terrakotta-Pflege weist ausdrücklich darauf hin, dass gewachste Flächen im Nassbereich eine erhöhte Rutschgefahr bekommen, sobald Wasser oder Fett auf die glänzende Schicht gelangt. Wer in der Küche wachst, sollte das nur auf bereits imprägnierten Flächen tun und Wasser- oder Fettspritzer sofort aufnehmen.

Eine Alternative ist ausschließliches Wachsen ohne vorherige Imprägnierung – das schützt zwar ebenfalls, verschleißt aber schneller durch mechanische Beanspruchung und muss entsprechend häufiger nachgezogen werden. Bei stark frequentierten Küchenböden ist die Kombination aus wasserbasierter Imprägnierung und punktuellem Nachölen meist praktikabler als eine reine Wachsschicht.

Die richtige Unterhaltsreinigung im Alltag

Für das tägliche Wischen genügt in der Regel ein Neutralreiniger in niedriger Dosierung. Ein Fliesenfachportal nennt als Richtwert für Terrakotta-Pflegemittel ein Mischungsverhältnis von 20 Millilitern Reiniger auf 5 Liter Wasser. Nach dem Wischen sollte die Fläche etwa 30 Minuten trocknen, bevor sie wieder betreten wird – auf ein zusätzliches Nachwischen mit klarem Wasser kann bei richtiger Dosierung verzichtet werden, da überschüssiges Wasser sonst erneut in die Poren eindringt.

Grobe Verschmutzungen wie Krümel oder Sand gehören vor der Nassreinigung trocken entfernt, etwa mit Besen oder Staubsauger – sonst wirken sie beim Wischen wie Schleifpapier auf der offenen Oberfläche. Ein Anbieter für Steinpflegeprodukte empfiehlt zudem, Reiniger nur bei Oberflächentemperaturen zwischen 10 und 25 Grad Celsius anzuwenden, da Reinigungsmittel bei Kälte schlechter wirken und bei Hitze zu schnell antrocknen, was Schlieren hinterlässt.

Neu verlegte unglasierte Fliesen richtig behandeln

Wer gerade erst unglasierte Fliesen in der Küche verlegt hat, sollte mit Reinigung und Imprägnierung nicht zu früh beginnen. Handgefertigtes Cotto im Mörtelbett braucht laut einem Fachbetrieb für Steinsanierung bis zu drei Monate Trocknungszeit, bei konventioneller Verlegung etwa 35 Tage. Wird vorher gereinigt oder imprägniert, kann die im Estrich enthaltene Restfeuchte nicht entweichen und drückt später als milchiger Schleier oder Salzausblühung durch die Oberfläche. Erst nach vollständiger Trocknung folgt die Bauendreinigung, die Zement- und Fugenmörtelreste entfernt – und erst danach die erste Imprägnierung.

Häufige Fragen

Muss ich unglasierte Feinsteinzeugfliesen in der Küche imprägnieren?
Das hängt von der Oberfläche ab. Standardmäßig unglasiertes, unpoliertes Feinsteinzeug hat werksseitig eine sehr geringe Wasseraufnahme und kommt oft ohne Imprägnierung aus. Poliertes unglasiertes Feinsteinzeug sowie Cotto und Terrakotta profitieren dagegen deutlich davon, weil ihre Oberfläche offenporiger ist.

Wie oft sollte ich die Imprägnierung in der Küche auffrischen?
Für stark genutzte Bereiche wie Küchenböden nennen mehrere Fachquellen übereinstimmend ein jährliches Intervall, in weniger beanspruchten Räumen alle zwei bis drei Jahre.

Warum wird meine unglasierte Fliese trotz Reinigung mit der Zeit grau und schmierig?
Das liegt meist an tensidhaltigen oder rückfettenden Reinigern, die sich in den Poren ablagern und einen Schmutz anziehenden Film bilden. Ein Wechsel zu einem tensidfreien, pH-neutralen Reiniger stoppt diesen Effekt in der Regel.

Wie entferne ich einen alten Fettfleck, der schon eingezogen ist?
Eine Paste aus Mehl und einem milden Lösungsmittel oder eine dicke Schicht Talkumpulver, vollständig trocknen lassen und anschließend abkehren, zieht eingezogenes Fett aus der Oberfläche. Reines Wischen erreicht Flecken unterhalb der Oberfläche nicht.

Darf ich neu verlegte Cotto-Fliesen sofort reinigen?
Nein. Je nach Verlegeart braucht der Boden mehrere Wochen bis zu drei Monate Trocknungszeit, bevor die erste gründliche Reinigung und Imprägnierung erfolgen sollte, damit Restfeuchte im Estrich vollständig entweichen kann.