Wie wäscht man mit Waschnüssen richtig?

Wie wäscht man mit Waschnüssen richtig?

Was Waschnüsse enthalten und wie sie reinigen

Waschnüsse sind die getrockneten Fruchtschalen des Seifenbaums (Sapindus mukorossi), der vor allem in Indien und Nepal wächst. Die Schalen enthalten laut Utopia rund 15 Prozent waschaktive Substanzen, sogenannte Saponine. Kommen die Schalen mit warmem Wasser in Kontakt, lösen sich die Saponine heraus und bilden eine leicht schäumende, seifenähnliche Lauge, die Fett und leichten Schmutz von der Faser löst.

Waschnüsse richtig anwenden: Schritt für Schritt

Für den Waschgang geben Sie die halben Schalen in ein Baumwollsäckchen und legen dieses direkt zwischen die Wäsche in die Trommel. Ein zusätzliches Waschmittel im Einspülfach brauchen Sie nicht, das Säckchen ersetzt es vollständig. Wer seifige Rückstände auf der Wäsche vermeiden will, nutzt die Spülstopp-Funktion der Maschine, entfernt das Säckchen vor dem letzten Spülgang und lässt diesen ein zweites Mal laufen, damit gelöste Saponinreste vollständig ausgespült werden.

Dosierung: Wie viele Waschnüsse pro Waschgang

Die österreichische Umweltberatung empfiehlt für eine normale Waschladung 5 bis 6 halbe Waschnussschalen im mitgelieferten Stoffsäckchen. Bei stärker verschmutzter Wäsche oder größeren Füllmengen darf es mehr sein. Entscheidend ist zusätzlich die Wasserhärte: Ab einem Härtegrad von dH 15 sollte laut Umweltberatung ein Enthärter zur Wäsche gegeben werden, weil Waschnüsse selbst keine wasserenthärtenden Stoffe enthalten und die Maschine sonst schneller verkalkt.

Temperatur und Wiederverwendung

Waschnüsse funktionieren laut Umweltberatung in einem Bereich von 30 bis 60 Grad Celsius und eignen sich damit besonders für Buntwäsche, Seide und Wolle. Ein Säckchen lässt sich, abhängig von Waschtemperatur und Wasserhärte, 2 bis 3 Mal wiederverwenden, bevor die Schalen weich werden und ihre Waschkraft verlieren. Danach gehören sie in den Biomüll oder auf den Kompost.

Was die Stiftung Warentest bei der Wirksamkeit fand

Wie gut Waschnüsse tatsächlich reinigen, hat die Stiftung Warentest 2019 an Waschnussschalen von Cliir Nature und Waschkastanien-Granulat von Natur Gut überprüft, jeweils im Vergleich zu einem gewöhnlichen Colorwaschmittel. Ergebnis: Schon nach sechs Wäschen hatte sich das Weiß der Prüftextilien sichtbar eingetrübt, nach 20 Durchgängen war es zu einem satten Grau verdunkelt. Bei 20 alltäglichen Flecken wie Tee, Spinat oder Schokodessert entfernten die Naturprodukte so gut wie nichts, während das Vergleichswaschmittel etwa hartnäckiges Schokodessert sichtbar aufhellte. Die Tester führen das auf fehlende Enzyme und Tenside zurück: Gelöster Schmutz wird nicht im Wasser gebunden, sondern lagert sich teils wieder auf der Faser ab. Preislich lagen die Waschnüsse mit rund 15 Cent pro Waschgang sogar über einem guten Colorwaschmittel für 14 Cent, das Kastanien-Granulat kostete mit etwa 70 Cent je Wäsche deutlich mehr. Das Fazit der Stiftung fiel entsprechend deutlich aus: „Hände weg von Waschnüssen und -kastanien.“ Der ORF fasste den Test unter dem Titel „Grau und fleckig“ zusammen.

Für welche Wäsche sich Waschnüsse eignen und wo die Grenzen liegen

Aus den Testergebnissen folgt eine klare Einschränkung: Für strahlend weiße Wäsche sind Waschnüsse ungeeignet, weil ihnen jede bleichende Wirkung fehlt. Wer trotzdem helle Textilien wäscht, sollte zusätzliches Bleichmittel einsetzen. Realistischer ist der Einsatz bei bunter, wenig verschmutzter Wäsche sowie bei Wolle und Seide, wo die milde, tensidfreie Lauge die Fasern schont und sich für Allergiker und empfindliche Haut eignet. Hartnäckige Flecken lassen sich mit Waschnüssen allein kaum entfernen und brauchen eine Vorbehandlung.

Ökologische Bilanz: Nicht automatisch die grünere Wahl

Ökotest weist darauf hin, dass der Seifenbaum ein tropisches Gewächs ist und die Schalen aus Indien oder Nepal importiert werden müssen, mit entsprechendem Transportaufwand. Die steigende Nachfrage in Europa hat zudem die Preise für Waschnüsse im Herkunftsland spürbar erhöht, wodurch sich Menschen vor Ort teils synthetische Waschmittel kaufen, weil ihnen die traditionelle Rohware zu teuer wird. Eine schwache Waschleistung kann außerdem zusätzliche Waschgänge nach sich ziehen, was den Strom- und Wasserverbrauch erhöht und den ökologischen Vorteil laut AOK-Einschätzung wieder aufzehrt.

Lagerung und Haltbarkeit

Trocken und lichtgeschützt gelagert, bleiben Waschnüsse laut Fachhandel bis zu fünf Jahre verwendbar. Feuchtigkeit ist der größte Feind: Werden die Schalen klamm, verlieren sie schneller an Saponin und können schimmeln. Frische Schalen erkennen Sie an einer glatten, harten Oberfläche und einem leicht säuerlich-fruchtigen Eigengeruch, brüchige und stumpfe Schalen haben ihre Waschkraft meist schon verloren.

Häufige Fragen

Wie viele Waschnüsse braucht man pro Waschgang?
Für eine normale Ladung genügen 5 bis 6 halbe Schalen im Säckchen, bei starker Verschmutzung oder großer Füllmenge entsprechend mehr.

Kann man mit Waschnüssen weiße Wäsche waschen?
Nur eingeschränkt. Da bleichende Substanzen fehlen, vergraut helle Wäsche im Test der Stiftung Warentest bereits nach wenigen Waschgängen sichtbar, ein zusätzliches Bleichmittel ist hier nötig.

Bei welcher Temperatur wirken Waschnüsse am besten?
Zwischen 30 und 60 Grad Celsius, wobei höhere Temperaturen mehr Saponin freisetzen und die Nüsse dadurch schneller verbrauchen.

Wie oft lässt sich eine Waschnuss wiederverwenden?
Je nach Wasserhärte und Temperatur 2 bis 3 Mal, danach lässt die Waschkraft spürbar nach.

Sind Waschnüsse bei hartem Wasser geeignet?
Ab einem Härtegrad von dH 15 sollten Sie zusätzlich einen Enthärter verwenden, da Waschnüsse selbst keine wasserenthärtenden Stoffe enthalten.

Sind Waschnüsse ökologisch tatsächlich im Vorteil?
Nicht automatisch: Lange Transportwege aus Asien und mögliche zusätzliche Waschgänge wegen schwächerer Reinigungsleistung relativieren den Umweltvorteil gegenüber herkömmlichen Waschmitteln.