Deutschland: Der Discounter ist nicht mehr automatisch der Billigste
Jahrzehntelang galt die Formel: Discounter gleich günstig, Supermarkt gleich teuer. Eine dpa-Auswertung der Preisvergleichs-App Smhaggle, die 2025 rund 2.000 Produkte bei den großen deutschen Händlern untersuchte, stellt diese Faustregel infrage. Das Ergebnis laut nord24: Die Preise sind bei Aldi, Lidl, Rewe, Edeka und Kaufland nahezu identisch, häufig sogar centgenau, und zwar sowohl bei Eigenmarken als auch bei Markenprodukten. Rewe wirbt inzwischen sogar offen damit, dass 4.000 Produkte genauso günstig seien wie beim Discounter.
Der Grund liegt im Wettbewerbsdruck: Senkt Aldi den Preis für Butter, Kaffee oder Schokolade, zieht Lidl oft innerhalb weniger Tage nach, und auch klassische Supermärkte passen ihre Regalpreise mittlerweile binnen Stunden an. Eine dauerhafte Preisführerschaft eines einzelnen Händlers gibt es dadurch kaum noch. Wer in Deutschland sparen will, kommt am Vergleichen einzelner Angebote nicht vorbei, denn der günstigste Preis hängt heute weniger vom Händler ab als vom richtigen Produkt zur richtigen Zeit.
Österreich: Diskonter bleiben im Schnitt zehn Prozent günstiger
In Österreich sieht das Bild anders aus. Die Arbeiterkammer Wien vergleicht monatlich in ihrem Preismonitor die 40 günstigsten Lebensmittel und Reinigungsmittel des wöchentlichen Bedarfs, erhoben in jeweils drei Wiener Filialen von Billa, Billa Plus, Spar und Interspar auf der einen sowie Hofer, Lidl und Penny auf der anderen Seite. Im März 2026 kostete der Warenkorb mit diesen 40 Produkten rund 76 Euro, ein Jahr zuvor waren es noch knapp 81 Euro gewesen, ein Rückgang von 5,5 Prozent. Gleichzeitig bestätigt die Erhebung: Supermärkte sind im Schnitt 10,1 Prozent teurer als Diskonter, wie wien.ORF.at zum Preismonitor der AK Wien berichtet.
Der Rückgang täuscht allerdings über die längerfristige Entwicklung hinweg. Seit der Teuerungswelle im Herbst 2021 wurde der komplette Einkaufskorb laut AK um 49 Prozent teurer, mit Ausreißern wie Bohnenkaffee, der um 151 Prozent zulegte, oder Orangensaft mit einem Plus von 109 Prozent. Ein einzelner guter Monat macht diese Entwicklung nicht rückgängig, er verschafft lediglich eine leichte Verschnaufpause.
Eigenmarke statt Markenprodukt: der wirksamste Hebel
Deutlich mehr bringt der Wechsel innerhalb desselben Geschäfts, weg von der bekannten Marke, hin zur Eigenmarke. Die Arbeiterkammer Oberösterreich verglich von März bis Juli 2026 bei Billa, Hofer, Lidl und Spar jeweils zwei Warenkörbe mit denselben 20 Produkten, einmal als Markenware und einmal als günstigere Alternative. Im Juni kostete der Markenkorb bei Billa 57,68 Euro, die Alternativen dazu nur 34,65 Euro, eine Ersparnis von 23,03 Euro pro Einkauf. Bei Spar lag der Unterschied bei 21,36 Euro. Auch im Juli blieben die Werte mit 19,59 Euro bei Billa und 19,88 Euro bei Spar auf ähnlichem Niveau, wie die AK Oberösterreich dokumentiert.
Bei Lidl fiel die Ersparnis mit 7,59 bis 10,03 Euro geringer aus, bei Hofer schrumpfte sie im Beobachtungszeitraum von knapp 4 Euro im März auf nur noch 15 Cent im Juli, weil dort ohnehin schon viele günstige Eigenmarken im Regal stehen. Auf ein ganzes Jahr mit wöchentlichem Einkauf hochgerechnet, kommt laut AK ein Sparpotenzial von bis zu 1.000 Euro zusammen, allein durch den Griff zur Alternative statt zur bekannten Marke. Bei einzelnen Produkten wird der Unterschied besonders deutlich: Bei Erbsen beträgt die Spanne zwischen teuerstem und günstigstem Produkt bis zu 4,62 Euro, bei Reis 3,62 Euro, bei Hausbrot 2,32 Euro.
Dass der Griff zur Eigenmarke kein Qualitätsverzicht sein muss, bestätigt ein Test der Stiftung Warentest, der 1.414 Lebensmittel untersuchte, davon 786 Markenprodukte und 628 Eigenmarken. Das Ergebnis, über das unter anderem echo24 berichtete: Ob Marke oder Eigenmarke, das mache in der Qualitätsbewertung kaum einen Unterschied.
Der Grundpreis als einziger fairer Vergleich
Zwei Packungen Nudeln, zwei unterschiedliche Preise, aber auch zwei unterschiedliche Füllmengen: Ohne den Grundpreis lässt sich das kaum seriös vergleichen. Die Verbraucherzentrale Hamburg empfiehlt deshalb, konsequent auf den Preis pro Kilogramm oder Liter zu achten, der laut Preisangabenverordnung eigentlich bei fast allen Waren ausgezeichnet sein muss. In der Praxis hakt es daran allerdings öfter, als es sollte, die Verbraucherzentrale Hamburg spricht von einer „schlampigen Umsetzung“ der Vorgaben in vielen Filialen. Ein Blick auf das Preisschild lohnt sich trotzdem immer, auch beim Vergleich von abgepackter Wurst und Käse an der Bedientheke, denn dort ist die verpackte Ware oft günstiger als gedacht.
Sonderangebote und Rabatt-Apps: nicht jeder Rabatt lohnt sich
Prospekte und Rabatt-Apps versprechen ständig neue Schnäppchen, doch der tatsächliche Nutzen ist begrenzt. Die Stiftung Warentest hat 13 Kundenbindungsprogramme und Rabatt-Apps untersucht und kommt laut test.de zu einem ernüchternden Ergebnis: Der Mindestrabatt beim regelmäßigen Sammeln und Einlösen von Punkten und Coupons liegt oft nur bei 0,5 bis 1 Prozent. Keine der getesteten Apps bringt bei jedem Einkauf so große Preisvorteile, dass sie sich pauschal für alle lohnt, dafür sammeln viele der Anbieter auffällig viele persönliche Daten und Einkaufsdaten.
Wirklich lohnend werden Rabatte erst bei gezielten Aktionen, etwa wenn ein Händler wie Rossmann mehrmals im Jahr Coupons mit zehn Prozent auf den gesamten Einkauf ausgibt. Wer Prospekte oder Preisvergleichs-Apps gezielt nutzt, um genau die Produkte zu erwischen, die gerade reduziert sind, kommt damit besser weg als mit dem pauschalen Sammeln von Punkten für Produkte, die sowieso im Einkaufswagen gelandet wären.
Die teuren Fallen im Regal
Wie ein Supermarkt aufgebaut ist, entscheidet mit, wie viel am Ende auf dem Kassenbon steht. Günstige Produkte und Eigenmarken stehen laut Verbraucherzentrale Hamburg selten auf Augenhöhe, sondern eher in der sogenannten Bückzone in den unteren Regalfächern, während teurere Markenware im direkten Blickfeld platziert wird. Wer ohne Einkaufsliste losgeht, ist außerdem besonders anfällig für Impulskäufe: Bis zu 50 Prozent der Käufe im Supermarkt sind laut Verbraucherzentrale Hamburg Spontankäufe, die den Händlern gute Margen sichern, aber selten geplant waren. Auch vermeintliche Mengenrabatte wie „3 zum Preis von 2″ verleiten dazu, mehr zu kaufen, als tatsächlich gebraucht wird, und landen im schlimmsten Fall im Müll.
Eine feste Einkaufsliste, vorbereitet nach einem kurzen Blick in Kühlschrank und Vorratsschrank, wirkt dagegen wie eine kleine Bremse an der Kasse. Wer zusätzlich nicht hungrig einkaufen geht, greift nachweislich seltener zu mehr, als ursprünglich geplant war.
Reduzierte Ware, Saisonkalender und selbst gekocht statt fertig gekauft
Ein oft unterschätzter Sparhebel liegt bei Produkten kurz vor Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums, die viele Filialen deutlich reduziert in separaten Kartons oder mit auffälligen Stickern anbieten. Wer ohnehin plant, ein Lebensmittel zeitnah zu verarbeiten, kann hier laut Verbraucherzentrale Hamburg spürbar sparen und gleichzeitig Lebensmittelverschwendung reduzieren. Saisonales Obst und Gemüse ist zur jeweiligen Erntezeit ebenfalls günstiger als außerhalb der Saison, weil lange Lagerung und Importwege wegfallen.
Am stärksten schlägt allerdings der Verzicht auf Fertigprodukte zu Buche. Wer im Schnitt drei Euro am Tag mehr für vorgeschnittenes Gemüse, Fertigsaucen oder Tütenware ausgibt, statt selbst zu kochen, ist über ein Jahr gerechnet mehr als 1.000 Euro los, rechnet die Verbraucherzentrale Hamburg vor. Ähnlich beim Kaffee unterwegs und dem belegten Brötchen vom Bäcker: Ein Thermobecher mit Kaffee von zuhause und ein selbst geschmiertes Brot sparen laut Verbraucherzentrale Hamburg bis zu fünf Euro pro belegtem Brötchen, jeden Tag aufs Neue.
Häufige Fragen
Ist Aldi wirklich immer der günstigste Supermarkt in Deutschland?
Nein. Eine Auswertung von rund 2.000 Produkten aus dem Jahr 2025 zeigt, dass die Preise bei Aldi, Lidl, Rewe, Edeka und Kaufland inzwischen häufig centgenau identisch sind. Der pauschale Vorteil des Discounters ist damit kleiner geworden, als viele annehmen.
Wie groß ist der Preisunterschied zwischen Supermarkt und Diskonter in Österreich?
Laut Preismonitor der Arbeiterkammer Wien vom März 2026 sind Supermärkte im Schnitt 10,1 Prozent teurer als Diskonter, gemessen an einem Warenkorb aus 40 Lebens- und Reinigungsmitteln.
Wie viel lässt sich durch Eigenmarken statt Markenprodukten sparen?
Bei Billa und Spar lag die Ersparnis in der AK-Erhebung 2026 zwischen rund 20 und 23 Euro pro Einkauf, wenn ein Warenkorb komplett auf Eigenmarken umgestellt wird. Hochgerechnet auf ein Jahr mit wöchentlichem Einkauf kommen laut AK bis zu 1.000 Euro zusammen.
Lohnen sich Rabatt-Apps und Cashback-Programme beim Lebensmitteleinkauf?
Kaum spürbar im Alltag: Die Stiftung Warentest fand bei 13 untersuchten Programmen Mindestrabatte von meist nur 0,5 bis 1 Prozent. Nennenswert wird es nur bei einzelnen zeitlich begrenzten Aktionen.
Sind Eigenmarken qualitativ schlechter als Markenprodukte?
Ein Test der Stiftung Warentest mit 1.414 Lebensmitteln, darunter 786 Marken- und 628 Eigenmarkenprodukte, kam zu dem Ergebnis, dass die Qualität sich kaum unterscheidet.
Was spart beim Lebensmitteleinkauf am meisten, wenn man nur eine Sache ändern kann?
Der Verzicht auf tägliche Fertigprodukte und Außer-Haus-Verpflegung wiegt am schwersten: Schon drei Euro Mehrausgabe pro Tag summieren sich laut Verbraucherzentrale Hamburg auf über 1.000 Euro im Jahr, deutlich mehr als der reine Wechsel des Supermarkts bringt.