Wo produziert Bauknecht seine Kühlschränke?

Wo produziert Bauknecht seine Kühlschränke?

Bauknecht gehört nicht mehr zu Whirlpool

Wer nach dem Hersteller von Bauknecht-Kühlschränken sucht, landet meist bei Whirlpool. Das stimmt seit 1989, als der US-Konzern das insolvente deutsche Traditionsunternehmen komplett übernahm, ist aber nur noch die halbe Wahrheit. Im Januar 2023 kündigten Whirlpool und der türkische Konzern Arçelik offiziell an, ihre europäischen Hausgerätesparten zusammenzulegen. Im April 2024 war es soweit: Aus Whirlpools Europageschäft und Arçeliks Marke Beko entstand das Gemeinschaftsunternehmen Beko Europe, an dem Beko B.V. 75 Prozent und Whirlpool Corporation die restlichen 25 Prozent hielten. Bauknecht wanderte damit ins Markenportfolio von Beko Europe, zu dem auch Whirlpool, Indesit, Hotpoint und Grundig zählen.

Im Sommer 2026 ging die Beteiligung noch einmal weiter: Arçelik kaufte Whirlpools verbleibende 25 Prozent für rund 71,5 Millionen Euro und übernahm damit die volle Kontrolle über Beko Europe. Whirlpool ist an der Produktion und den Entscheidungen zu Bauknecht-Geräten seither nicht mehr direkt beteiligt, die Markenlizenz für Bauknecht bleibt laut Vereinbarung aber bestehen. Wer heute also fragt, wer Bauknecht-Kühlschränke herstellt, bekommt eine Antwort, die sich seit 2024 grundlegend verschoben hat.

Von der Elektrowerkstatt zum reinen Markennamen

Gottlob Bauknecht gründete das Unternehmen 1919 als Einmannbetrieb mit 500 Mark Startkapital, zunächst mit Elektromotoren für die Landwirtschaft. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg stieg die Firma in Haushaltsgeräte ein: 1948 kam die Küchenmaschine Allfix, in den 1950er Jahren die ersten bezahlbaren Kühlschränke und Gefriergeräte. 1982 meldete Bauknecht Konkurs an, 1989 übernahm Whirlpool das Unternehmen vollständig.

Entscheidend für die heutige Produktion ist ein späterer Schritt: Bis 2012 schloss Whirlpool die letzten eigenständigen Bauknecht-Werke in Deutschland, darunter das Kühlschrankwerk in Calw. Seither ist Bauknecht kein eigenständiger Hersteller mehr, sondern ausschließlich ein Markenname, unter dem Geräte aus den Werken des jeweiligen Mutterkonzerns verkauft werden, erst Whirlpool, jetzt Beko Europe.

Wo Bauknecht-Kühlschränke aktuell produziert werden

Beko Europe betreibt Produktionsstätten in Italien, Polen, der Slowakei, Rumänien und Großbritannien mit einer Gesamtkapazität von rund 24 Millionen Haushaltsgeräten pro Jahr. Innerhalb dieses Netzwerks ist die Kühlgeräteproduktion allerdings deutlich geschrumpft und stärker konzentriert als noch vor wenigen Jahren. Das frühere Zentrum für Einbaukühlschränke in Cassinetta di Biandronno in der Lombardei läuft weiter, allerdings mit reduzierter Kapazität: Seit einem Transformationsplan von November 2024 laufen dort statt fünf nur noch drei Produktionslinien. Ein zweiter italienischer Standort für Kühl- und Gefriergeräte, das Werk in Siena, wurde im selben Zuge geschlossen.

Für welches konkrete Bauknecht-Modell welches Werk zuständig ist, hängt vom Gerätetyp ab: Einbaukühlschränke kommen derzeit vor allem aus Italien, freistehende Modelle liefen bislang schwerpunktmäßig aus Polen. Genau dort hat sich das Bild in den vergangenen Jahren aber am stärksten verändert.

Wroclaw: vom größten Kühlschrankwerk Europas zur Ofenfabrik

2015 investierte Whirlpool über 235 Millionen Euro in sein Werk in Wroclaw und machte es damit laut eigenen Angaben zur größten Produktionsstätte für freistehende Kühlschränke der Whirlpool-Gruppe im Bereich Europa, Naher Osten und Afrika. Rund ein Viertel aller Whirlpool-Beschäftigten in dieser Region arbeitete allein in Polen.

Der Niedergang kam Jahre später, aber schnell: Liefen einst über eine Million Kühlschränke jährlich vom Band, war die Produktion bis Ende 2024 auf 360.000 Einheiten gesunken. Beko Europe strich daraufhin 700 Arbeitsplätze am Standort und stellte die Kühlschrankfertigung ganz ein. Das Werk in Wroclaw baut inzwischen ausschließlich Backöfen. Damit ist der frühere Hauptstandort für freistehende Bauknecht-Kühlschränke aus der Kühlgeräteproduktion komplett ausgeschieden.

Italien als neuer Schwerpunkt und zugleich als Sparfall

Mit dem Rückzug aus Wroclaw verschiebt sich das Gewicht der Kühlgeräteproduktion stärker nach Italien, wo Beko Europe im November 2024 einen umfassenden Sparplan verkündete. Insgesamt fallen dabei 1.935 Stellen in den italienischen Werken weg, das Forschungszentrum in Fabriano wird geschlossen, das Kühlgerätewerk Siena ebenso. Cassinetta bleibt zwar als Standort für Einbaukühlschränke sowie für Mikrowellen, Backöfen und Kochfelder erhalten, allerdings mit den bereits erwähnten drei statt fünf Produktionslinien und mit eigenen Sparauflagen für die verbliebene Belegschaft.

Für Käuferinnen und Käufer bedeutet das: Ein aktuell gekaufter Bauknecht-Einbaukühlschrank stammt mit hoher Wahrscheinlichkeit aus einem italienischen Werk, das selbst mitten in einem mehrjährigen Umbauprozess steckt. Wo freistehende Modelle nach dem Wegfall von Wroclaw künftig gefertigt werden, hängt vom weiteren Kapazitätsausbau innerhalb des Beko-Europe-Netzwerks ab und lässt sich pauschal nicht mehr auf ein einzelnes Werk festlegen.

Herkunft am eigenen Gerät nachvollziehen

Weil sich Werkszuordnungen innerhalb von Beko Europe je nach Modelljahr und Sparprogramm verschieben, lohnt sich bei einem konkreten Gerät der Blick auf das Typenschild im Innenraum des Kühlschranks. Dort steht neben Modell- und Seriennummer meist auch das Herstellungsland. Bei Unsicherheit hilft die Modellnummer weiter: Sie lässt sich über die Bauknecht-Kundenbetreuung oder den Fachhandel dem jeweiligen Produktionsstandort zuordnen, eine allgemeingültige Aussage wie „alle Bauknecht-Kühlschränke kommen aus Land X“ trifft angesichts der aktuellen Umstrukturierung auf kein Werk mehr zu.

Häufige Fragen

Gehört Bauknecht noch zu Whirlpool?
Nicht mehr allein. Seit April 2024 gehört die Marke zum Gemeinschaftsunternehmen Beko Europe, seit der Übernahme von Whirlpools Resttanteil im Sommer 2026 kontrolliert der türkische Arçelik-Konzern das Unternehmen vollständig. Die Markenlizenz für Bauknecht bleibt davon unberührt.

Hat Bauknecht noch eigene Fabriken?
Nein. Seit der Schließung der letzten deutschen Werke bis 2012 ist Bauknecht ein reiner Markenname, unter dem Geräte aus den Werken des jeweiligen Mutterkonzerns verkauft werden.

Wo werden Bauknecht-Kühlschränke aktuell gefertigt?
Einbaukühlschränke laufen vor allem im italienischen Werk Cassinetta di Biandronno vom Band, allerdings mit reduzierter Kapazität. Das frühere Zentrum für freistehende Modelle in Wroclaw in Polen produziert seit 2025 keine Kühlschränke mehr, sondern nur noch Backöfen.

Warum wurde die Kühlschrankproduktion in Wroclaw eingestellt?
Die Stückzahlen sanken bis Ende 2024 von einst über einer Million auf 360.000 Einheiten pro Jahr, danach strich Beko Europe 700 Stellen und stellte den Standort auf Backöfen um.

Wie finde ich das Herstellungsland meines konkreten Geräts heraus?
Am zuverlässigsten über das Typenschild im Innenraum des Kühlschranks, dort ist neben der Modell- und Seriennummer in der Regel auch das Herstellungsland vermerkt.